Rund ein Dreivierteljahr nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan werden die Rechte der Frauen dort weiter eingeschränkt. Die Taliban schreiben den Frauen jetzt auch vor, in der Öffentlichkeit einen Hijab oder eine Burka zu tragen.

Eigentlich hatten die Taliban bei der Machtübernahme vergangenen Sommer angekündigt, sie würden die Frauenrechte nicht einschränken. Unser Korrespondent Peter Hornung berichtet, dass es nun aber doch anders kommt. In einem neuen Erlass ist die Rede von einem Hijab, der nun vorgeschrieben ist. Ein Vertreter des Ministeriums zur Verbreitung der Tugend und zur Verhinderung des Lasters habe erklärt, wie Hijab definiert ist: "Das ist eine Ganzkörperbedeckung, die nicht eng anliegt. Da darf kein Körperteil bloß bleiben. Das geht sogar bis hin zu Handschuhen", so Peter Hornung

Der Taliban-Führer Haibatullah Achundsada habe ausrichten lassen, er bevorzuge eine Burka. Ein Gewand, das so über den Kopf gezogen wird, dass selbst die Augen durch ein Stoffgitternetz verdeckt ist. "Man sieht nicht sehr viel, und das verschleiern des Gesichts sei vor allen Dingen wichtig für ältere Mädchen und junge Frauen, wenn sie in die Öffentlichkeit gehen", erklärt unser Korrespondent.

"Vor einigen Wochen sind viele Frauen in Kabul am Flughafen daran gehindert worden, in Flugzeuge zu steigen, um ins Ausland zu fliegen, weil sie keinen männlichen Begleiter, keine Aufsichtsperson dabei hatten."
Peter Hornung, Korrespondent

Frauen brauchen in Afghanistan einen sogenannten männlichen Vormund, eine Aufsichtsperson – ohne deren Begleitung dürfen sie sich kaum mehr in der Öffentlichkeit bewegen. "Das ist natürlich auch eine gewaltige Einschränkung der Freiheit – aber eine Burka tragen zu müssen im Land, das ist für viele sicher auch sehr schlimm", sagt Peter Hornung.

Frauen dürfen nur früh morgens an die Uni

Es sind nicht die einzigen Einschränkungen für Mädchen und Frauen, seitdem die Taliban im vergangenen Sommer das Regime übernommen haben. Lange Zeit durften Studentinnen nicht an die Uni, weil man noch keine Möglichkeit gefunden hatte, wie sie getrennt von den Männern studieren könnten. Inzwischen sei es jedoch wieder möglich. Die Frauen kommen nun am frühen Morgen. Am Vormittag gegen elf Uhr kommen dann die Männer. Und bis dahin müssen die Studentinnen das Gelände wieder verlassen haben.

"Es gibt auch noch keinen Unterricht für Mädchen höherer Klassen. Da war es neulich mal so, dass die in die Schule gerufen wurden, weil es angeblich weiterginge. Und dann wurde ihnen gesagt: 'Wir haben noch keine Lösung für die Schuluniform. Geht wieder alle nach Hause'", berichtet der Korrespondent Peter Hornung. Journalistinnen dürfen nicht arbeiten. Frauen in Behörden dürfen nicht an ihre Arbeitsplätze – die Liste der Einschränkungen ist lang. Der Radius, in dem sie sich bewegen dürfen, werde immer kleiner.

"Man muss dazu sagen: Viele Frauen in Afghanistan, im ländlichen Afghanistan, die hatten das auch im alten Regime nicht. Für die ist es eigentlich nichts Neues."
Peter Hornung, Korrespondent

Auf dem Land galten viele Einschränkungen auch während der vorherigen Regierung. In den Städten allerdings war das Leben der Frauen freier, erklärt unser Korrespondent: "Da haben die Frauen bisher oft anders gelebt. Mit diesem Leben soll es vorbei sein", sagt er. Im Zusammenhang mit dem Erlass werde auch darauf verweisen, dass Frauen das Haus nur noch verlassen sollten, wenn sie etwas Wichtiges außerhalb des Hauses zu tun haben

"Damit wird das Haus für die Wohnung im Prinzip zu so einer Art Gefängnis."
Peter Hornung, Korrespondent

Dass die Taliban die Rechte der Frauen einschränken, obwohl sie es anders angekündigt hatten, zeige, wie zerrissen die Gruppe der Taliban ist. "Es gibt sicher gemäßigtere Kräfte, die vor allen Dingen auch auf die Außenwirkung schauen: Wie nimmt das die internationale Gemeinschaft auf? Was bedeutet es für die Anerkennung des Emirats? Für die internationalen Sanktionen? – Die sind möglicherweise nicht sonderlich glücklich mit dem Erlass, also zumindest nicht mit dem Zeitpunkt des Erlasses", so unser Korrespondent. Die neuen Erlasse und Entscheidungen zeigten, dass die Hardliner innerhalb der Taliban die Oberhand haben – und in welche Richtung sich Afghanistan in nächster Zeit vermutlich entwickeln wird.

"Man sieht halt auch, wer die Macht hat in Afghanistan: Das sind die religiösen Hardliner, und die haben sich hier durchgesetzt und damit auch gezeigt, in welche Richtung sich dieses Emirat Afghanistan entwickeln wird."
Peter Hornung, Korrespondent