Der Krieg in der Ukraine trifft die Menschen 6000 Kilometer weiter in Ostafrika hart. Aus den Armenvierteln ist zu hören: "Das Essen, das uns satt macht, wird jetzt unerschwinglich", berichtet unsere Korrespondentin aus Kenia. Denn Millionen beziehen ihren Weizen aus der Ukraine.
In Kenia und vielen anderen afrikanischen Ländern wird viel Brot gegessen. Chapati nennt sich das, berichtet Antje Diekhans aus Kenias Hauptstadt Nairobi. Das sei vor allem zum Frühstück beliebt. Aber schon jetzt koste das Chapati an den Ständen etwa das Doppelte. Aus den Armenvierteln sei zu hören: "Das Essen, das uns satt macht, wird jetzt unerschwinglich."

Millionen Menschen in Ostafrika werden mit Weizen aus der Ukraine und zum Teil auch aus Russland versorgt. Diese Versorgungskette ist jetzt gestört.

Zwei Probleme treffen aufeinander: Dürre und Krieg

Hinzu kommt noch ein zweites Problem: Die Dürre in Ostafrika, die bereits zwei Jahre andauert und etliche Ernten vernichtet.

"Wegen der Dürre wird im Land selbst viel weniger geerntet. Das gilt für Weizen, aber auch für Mais. Und Maisbrei ist das andere große Hauptnahrungsmittel"
Antje Diekhans, ARD-Korrespondentin in Nairobi

Neben Weizen ist Mais eine weitere Grundlage für Hauptnahrungsmittel, berichtet Antje Diekhans – und wegen der Dürre gebe es nicht nur weniger Weizen, sondern auch weniger Mais, was die Preise in die Höhe treibe. Kenia sei also gleich doppelt hart getroffen.

Auch Toastbrot – was ein weiteres Grundnahrungsmittel ist – sei um 20 Cent im Preis gestiegen. Das sei wahnsinnig viel für die armen Menschen, so Antje Diekhans, die im Schnitt drei bis vier Euro pro Tag zur Verfügung hätten, um die ganze Familie sattzubekommen.

Weltmarktpreise für Weizen global hoch – Afrika hat das Nachsehen

Eine schnelle Lösung für das Problem sieht die Korrespondentin nicht, da ja wegen des Russland-Ukraine-Krieges auf der ganzen Welt Weizen knapp sei, wodurch die Weltmarktpreise insgesamt gestiegen seien. Sie geht nicht davon aus, dass Kenia zu den Ländern gehört, wo Weizen aus anderen Regionen der Welt als Erstes ankommt.

"Jetzt kann man sagen, dann müssen eben Getreidelieferungen aus anderen Teilen der Welt angekauft werden, aber das, was da ist an Weizen, geht nicht unbedingt an Länder wie Kenia."
Antje Diekhans, ARD-Korrespondentin in Nairobi

Schon vor dem Krieg waren in Ostafrika rund 13 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen – so lautet die Schätzung des Welternährungsprogramms.

"Im Moment ist es hier wirklich so trocken, wie ich das selbst 2011 nicht erlebt habe – ein Jahr, wonach eine Viertel Million Menschen in Somalia verhungert sind."
Antje Diekhans, ARD-Korrespondentin in Nairobi
Tragisch: Auch für das Welternährungsprogramm ist es jetzt schwieriger geworden, Hilfe zu leisten, weil man auch hier mit steigenden Preisen auf dem Weltmarkt konfrontiert ist. "Das Helfen wird teurer" sagt Antje Diekhans. Mit dem gleichen Geld können jetzt weniger Menschen versorgt werden.