Äcker werden mit Trinkwasser bewässert, doch auf ausgelaugten Böden versickert es oft ungenutzt. Es gibt bereits Warnungen aus der Wissenschaft: Wenn das so weiter geht, haben wir bald unser Grundwasser aufgebraucht. Aber es gibt eine Lösung: Agroforstwirtschaft.

Es wird trockener in Mitteleuropa. Das bekommen auch die Bauernhöfe zu spüren, zum Beispiel ein Hof in Märkisch Wilmersdorf. Das Getreide vertrocknet hier auf den Äckern und der Boden ohne schützende Humusschicht gleich mit. Lediglich das Unkraut wächst und wächst.

Der Forstwirt Philipp Gerhardt berät diesen und auch andere Höfe. Er sorgt dafür, dass auf den Äckern Bäume gepflanzt werden. Die sollen das Wasser im Boden halten und einen kühlenden Effekt auf die Landschaft haben. Das nennt sich Agroforstwirtschaft und das Motto ist: "Die beste Bewässerung baut man nicht, die pflanzt man."

"Die beste Bewässerung baut man nicht, die pflanzt man."
Motto der Agroforstwirtschaft

Generell geht es darum, Bäume und auch Sträucher mit der klassischen Landwirtschaft, etwa im Ackerbau oder in der Tierhaltnutzung, zu kombinieren.

Das sieht je nach Fall völlig unterschiedlich aus: "Wenn ich ein bestehendes landwirtschaftliches System wie den Ackerbau habe, dann würde ich die Bäume in der Regel in Reihen pflanzen", sagt Philipp Gerhardt. So könnte weiterhin auf dem Acker gearbeitet und mit Maschinen gefahren werden, trotzdem kann Wasser in der Fläche gehalten und Erosionen verhindert werden.

Auch der Abstand der Bäume kann unterschiedlich sein: Sie können relativ dicht mit zehn Metern Abstand gepflanzt werden, im Ackerbau sind aber auch 30 Meter möglich. "Bei den großen Agrarbetrieben kann es sogar auf 100 Meter gehen", sagt Forstwirt Gerhardt.

Die landwirtschaftlichen Fahrzeuge, die Traktoren, Mähdrescher und andere Großgeräte seien so kein Problem für Bäume oder Sträucher. "Wir stören durch Pflügen von Jugend an den Wurzelraum neben den Bäumen", sagt Gerhardt. "Dann wurzeln die Bäume in die Tiefe und wir haben keinen Konflikt." Die Bäume gewöhnen sich sozusagen an die Landwirtschaft und stellen sich auf sie ein.

"Agroforstwirtschaft hat Vorteile"

Das hat eine ganze Menge von Vorteilen, meint Philipp Gerhardt.

  • Es gibt Laubfall, das bringt Nährstoffe in den Boden
  • Es bildet sich Tau, der Boden bleibt feuchter
  • Das Bodenleben bleibt aktiver und Humus wird aufgebaut
  • Kohlenstoff wird gebunden und kann den Klimawandel abmildern

Für die Landwirtschaft lohne sich das: "Nach Untersuchungen liegt der ökonomische Ertrag um das zwei- bis dreifache höher als vorher bei einer einschichtigen Nutzung des Bodens."

In der Agroforstwirtschaft sei noch mehr möglich, sagt Philipp Gerhardt. "Wir können Bäume reinbringen, die eine tolle Bienenweide sind, zum Beispiel die Esskastanie." Für mehr Erträge würden auch Bäume sorgen, die zusätzlich Nahrung produzieren: Walnuss, Haselnuss, Obstbäume, Beerenstrauche."

"Mit Agroforstwirtschaft können wir ganz diverse Systeme schaffen, weil wir viel mehr Nützlinge haben und viel mehr Verflechtungen im Ökosystem."

Es gebe aber auch Untersuchungen, wonach Teile der Erträge zurückgehen, zum Beispiel wegen des Schattenbereiches der Bäume. Aber dafür kämen ja Holz-Erträge dazu, Erträge durch Früchte zum Beispiel. Gerhardt kennt etwa Bauern, die Esskastanien verkaufen und Ahornsirup produzieren.

"Die Agroforstwirtschaft ist der größte Hebel, den wir haben, um uns an den Klimawandel anzupassen und um den Klimawandel abzuschwächen."

Für Philipp Gerhardt geht es bei der Agroforstwirtschaft um den Ertrag der Bäuerinnen und Bauern, aber auch um Umweltschutz: "Die Agroforstwirtschaft ist der größte Hebel, den wir haben, um uns an den Klimawandel anzupassen und um den Klimawandel abzuschwächen." Das Potenzial, auf Landwirtschaftsflächen Bäume anzupflanzen, sei viel größer als das globale Aufforstungspotenzial.