Weltweit betrachtet sinkt die Zahl Menschen, die sich neu mit HIV anstecken. Trotzdem gibt es auch Länder, in denen die Infektionsrate steigt. Unser Korrespondent Ralph Sina berichtet von der Welt-Aids-Konferenz in Amsterdam.

Weltweit sind rund 37 Millionen Menschen mit HIV infiziert, etwa eine Million Menschen stirbt jedes Jahr an dem Virus. Doch es gibt auch gute Nachrichten: Während es 2005 noch doppelt so viele Aids-Tote waren, sinken in vielen Ländern die Zahlen der Toten und der Neuinfektionen. Aufklärung, Bildung und der Zugang zu Medikamenten tragen dazu bei. 

Wenn aber auf der 22. Welt-Aids-Konferenz in Amsterdam 18.000 Experten aus der ganzen Welt zusammenkommen, um über die aktuellen Entwicklungen zu diskutieren, haben sie nicht nur Grund zum Feiern. Denn in manchen Staaten steigt die Zahl der Neuinfektionen.

In Kasachstan, Usbekistan, mehreren osteuropäischen Ländern und Russland steigen die Infektionen. "Das hat politische Gründe", sagt unser Korrespondent auf der Aids-Konferenz Ralph Sina. 

Aids wird in Russlands kaum thematisiert

Beispiel Russland: In Russland sorgt die orthodoxe Kirche dafür, dass es kaum Sexualkunde an den Schulen gibt. Präsident Putin nimmt die Worte HIV und Aids gar nicht erst in den Mund, Prostituierte und Drogenabhängige werden kriminalisiert. Außerdem gibt es viel zu wenig Medikamente zur Behandlung.

Nichtregierungsorganisationen, die Aidskranken helfen wollen, werden stigmatisiert, berichtet unser Korrespondent. Die Argumentation: Die Organisationen würden auch von den USA finanziert, also seien die Mitarbeiter Agenten.

"Putin sorgt mit seiner Politik dafür, dass sich Aids so rasant in Russland ausbreitet."
Ralph Sina über die Aids-Politik in Russland

Die Konsequenzen dieser Politik: Jedes Jahr gibt es in Russland circa 100.000 neu Infizierte, nur jeder Dritte wird behandelt.

Die mangelnde Aufklärung ist aber nur eine von vielen Baustellen, über die sich die Wissenschaftler auf der Aids-Konferenz austauschen. Ein anderes Problem, das nach wie vor besteht: Es gibt weder einen Impfstoff noch eine Heilung.

"Tatsache ist natürlich, dass die internationalen Pharmakonzerne sehr viel damit verdienen, dass Aids eine chronische Erkrankung ist", sagt Ralph Sina. "Mit nichts verdient man besser als an chronischen Erkrankungen, ob das Bluthochdruck ist, Cholesterinspiegel oder eben Aids."

"Haben die Pharmakonzerne wirklich ein Interesse dran, dass es eine erfolgreiche Impfung gibt - und die Krankheit ausstirbt und damit ein Absatzmarkt für die Medikamente?"
Ralph Sina über die Aids-Politik in Russland

Was es aber immerhin gibt: Tabletten, die das Leben mit der Krankheit leichter machen und die Zahl der Viren in Schach halten. Ein Medikament namens Prep ist sehr erfolgreich. Wer Prep nimmt, schützt sich vor einer Ansteckung - und gibt das Virus auch nicht mehr weiter. 


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