Fake-News sind ein bekanntes Problem auf Facebook. Aber es gibt auch Fake-Medizin, die über das soziale Netzwerk beworben wird. Und Facebook unternimmt zu wenig dagegen.

Der Amerikaner Bruce Wilmot hatte Krebs. Bauchspeicheldrüsenkrebs. Und er war einer von Tausenden von Jilly-Juice-Anhängern. Er war davon überzeugt, dass sein Krebs, so wie alle anderen Krankheiten auch, vom Candida-Pilz ausgelöst werden - und dass gegen den nur das Trinken von Jilly Juice helfen würde. Einen Monat, nachdem er mit der Jilly-Juice-Therapie begonnen und alle anderen Medikamente abgesetzt hatte, war Bruce Wilmot tot. Seine Freunde hatten ihn ausgemergelt und bewusstlos in seinem Appartement gefunden.

"Bruce Wilmot wäre auch ohne das Trinken dieses Saftes gestorben. Aber der Fall zeigt eindrücklich, was passiert, wenn kranke Menschen in solche Fake-Medizin-Gruppen geraten."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Denn Jilly Juice hat keinerlei therapeutischen Nutzen. Es ist lediglich ein Gebräu aus Kohl und Himalajasalz, das gegen Krebs helfen soll. Und gegen andere Krankheiten. Und es soll den Alterungsprozess aufhalten. Und sogar Homosexuelle zu Heteros machen. Das jedenfalls verspricht Jillian Mai Thi Epperly.

Über Jahre hat sie ihren fermentierten Kohlsaft über Facebook als Wundermittel beworben und dabei zahlreiche Anhänger gefunden, auch wenn Jillian Mai Thi Epperly über keinerlei medizinische oder therapeutische Ausbildung verfügt. Und Facebook hat nichts gegen sie unternommen - obwohl zahlreiche User die Jilly-Juice-Gruppe gemeldet hatten.

Facebook scheint überfordert

Facebook hat seine Regeln. Die Gemeinschaftsstandards legen fest, dass Accounts, die ein Risiko für die Gesundheit und die öffentliche Sicherheit darstellen, entfernt werden. Bei der Jilly-Juice-Gruppe passierte allerdings nichts. "Es ist nicht so, dass Facebook überhaupt nichts macht", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte. Das Problem sei das gleiche wie bei den Fakennews: "Es gibt einfach zu viele dieser Gruppen, viele davon sind zudem nicht öffentlich."

In anderen Fällen hat Facebook gehandelt: Im Februar machte der Konzern in Deutschland eine Seite mit 34.000 Fans dicht, die dem Wunderheilmittel des amerikanischen Ex-Scientologen Jim Humble folgten. Das Zeug, das bei Konsum eine gesundheitsgefährdende Säure freisetzt, sollte Aids, Krebs, Malaria und Demenz heilen.

"Die Crux bei Verboten solcher Fake-Medizin-Gruppen ist: Die Anhänger leben in einer Parallelrealität. Viele vermuteten ein Komplott der Pharmaindustrie."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Gesperrte Gruppen verschwinden nicht auf immer und ewig. "Oft ist es so, dass sich diese Gruppen bei Facebook dann unter anderem Namen neu bilden", sagt Martina Schulte. Die Seite vom Jilly Juice ist auch vorerst verschwunden, aber nur, weil kritische User die Behörden einschalteten und Anti-Facebook-Gruppen gründeten. Jillian Mai Thi Epperly zog sich vom sozialen Netzwerk zurück. Und macht auf ihrer eigenen Homepage weiter, verkauft dort ihre Fakemedizin und nimmt für Gesundheitsberatungen 60 Dollar die Stunde.

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