Wer schon einmal direkt neben einer Sirene eines Krankenwagens stand, der weiß: Das ist ziemlich laut und auf die Dauer auch ziemlich lästig. Aber Alarmtöne müssen einfach penetrant klingen, um richtig warnen zu können.

Die Polizeisirene, der Feuermelder oder der Wecker im Schlafzimmer – sie alle können ganz schön nervig sein. Doch Warnsignale müssen einfach richtig lästig klingen, um überhaupt erst in dem Wust an Alltagsgeräuschen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen zu können, sagt Bernhard Seeber, Psychoakustiker und Professor für Audioverarbeitung an der Technischen Universität in München.

"Ein Warnsignal muss eine gewisse Nervigkeit haben, es muss herausstehen aus dem Hintergrund, um überhaupt gehört werden zu können."
Bernhard Seeber, Professor für Audioverarbeitung an der Technischen Universität in München

Der ganz normale Straßenlärm bei uns in Deutschland liegt ungefähr bei 70 bis 90 Dezibel. Um diesen zu übertönen, kann ein Martinshorn bis zu 120 Dezibel erreichen. Für unsere Ohren klingt das dann mehr als viermal so laut wie der normale Verkehr. Eine Sirene, die früher in Kriegszeiten vor Luftangriffen gewarnt hat, hatte sogar 130 Dezibel und klang damit nochmal doppelt so laut wie ein Martinshorn. Kaum zu überhören also – und damit im Zweifelsfall auch lebensrettend.

Hohe Frequenzen und Modulation im Alarm machen aufmerksam

Die Lautstärke allein reicht aber nicht aus, um uns ganz zuverlässig zu warnen, sagt Bernhard Seeber. Deshalb klingt die Sirene bei uns in Deutschland auch wie eine Quarte: Tief, hoch, tief, hoch. So entsteht ein ganz anderer Schall im Vergleich zu dem, was wir sonst so hören, erklärt der Psychoakustiker.

Was einen Alarmton zusätzlich so nervig in unseren Ohren klingen lässt, das sind die Anteile an hohen Frequenzen, die ebenfalls dazu beitragen, sich vom Alltagslärm abzusetzen, sagt Bernhard Seeber.

"Der Alarmton muss durchaus eine gewisse Schärfe haben, gewisse hohe Frequenzen mit dabei, damit das heraussteht und damit es ein bisschen nervt."
Bernhard Seeber, Professor für Audioverarbeitung an der Technischen Universität in München

Hohe Töne werden seit langem hergenommen, um für Aufmerksamkeit zu sorgen und das nicht nur bei negativen Anlässen. Das klingende Glas bei einer festlichen Ansprache ist da ein Beispiel.

Denn unser Ohr hört hohe Frequenzen im Vergleich zu tiefen Frequenzen deutlich schneller und besser heraus, sagt Ercan Altinsoy, Professor für Akustik und Haptik an der Technischen Universität Dresden.

"Evolutionär hat es sich so entwickelt, dass wir bei tiefen Frequenzen wenig reagieren oder sie sehr spät mitkriegen, wobei höhere Frequenzen, da sind wir sehr sehr empfindlich."
Ercan Altinsoy, Professor für Akustik und Haptik an der Technischen Universität Dresden

Ganz besonders empfindlich reagiert das menschliche Gehör bei Tönen im Frequenzbereich von ungefähr zwei bis fünf Kilohertz – auch im Schlaf. Ein Rauchmelder, dessen Frequenz bei drei bis vier Kilohertz und Lautstärke bei 80 Dezibel liegt, ist damit auch im Schlaf unmöglich zu überhören.

Entspannteres Aufwachen

Ganz ähnlich sind deshalb auch einige Weckertöne auf unseren Smartphones aufgebaut. Doch Ercan Altinsoy sagt: Den Morgen könnten wir deutlich angenehmer starten. Die Forschung habe inzwischen gezeigt, dass einige Töne nicht auf Teufel komm raus nervig sein müssen. Wenn wir nicht unbedingt in Sekunden reagieren müssen, was beim Aufwachen selten der Fall ist, könnten wir uns auch von angenehmeren, aber dennoch effektiven Tönen wecken lassen.

"Wenn wir nicht unbedingt in Sekunden reagieren sollen, dann können Sie auch Signale finden, die sogar viel angenehmer sind, aber uns entsprechend wecken."
Ercan Altinsoy, Professor für Akustik und Haptik an der Technischen Universität Dresden

Deshalb wird bereits daran geforscht, welche Klänge für unser Ohr richtig angenehm klingen, uns aber trotzdem zuverlässig wecken.