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Albanien hatte Ricardo Fahrig gar nicht so auf dem Zettel, als er sich 2012 auf den Weg machte. Schon seit fast neun Jahren lebt er inzwischen dort und arbeitet als Wanderführer.

Es sei ein wenig Zufall und Schicksal gewesen, dass Ricardo Fahrig nach Albanien gereist und dann auch dortgeblieben sei, sagt er rückblickend. 2012 war Ricardo mit seiner damaligen Freundin unterwegs. Auf der Suche nach einem Lebensdomizil konnten sich die beiden auf Japan einigen. Zuerst hatten sie den Plan, Flugtickets zu kaufen und irgendwo einen Zwischenstopp einzulegen. Aber dann kam es aber doch ganz anders.

Sie kaufen ein Auto, bauen es um und fahren los. Plötzlich ist der Weg das Ziel und der führt die beiden nach Albanien. Das Land begeistert Ricardo durch seine landschaftliche Vielfalt. Glasklare Seen, wilde Natur, lange Strände, abgelegene Bergdörfer und die Albanischen Alpen, in denen er inzwischen oft als Wanderführer unterwegs ist.

"Dann war der Weg das Ziel geworden: Wir hatten den groben Plan, drei Jahre unterwegs zu sein."
Ricardo Fahrig, Wanderführer in Albanien
Albanische Alpen
© Ricardo Fahrig
Unterwegs in den Albanischen Alpen: Valbona ist ein Dorf ganz im Nordosten des Landes.

Erst bleibt Ricardo den Sommer über in Albanien. Dann bekommt er von einem Bekannten das Angebot, den Winter mit ihm und seiner Familie in dem Bergdörfchen Theth zu verbringen, das im Winter komplett von der Außenwelt abgeschottet ist. Ricardo findet die Vorstellung spannend und nimmt das Angebot an. Was als vorübergehender Aufenthalt geplant ist, wird zu seinem neuen Lebensmittelpunkt.

Bergsee in Albanien
© Ricardo Fahrig
Faszinierende und pittoreske Vielfalt in unberührten Landstrichen

Tourismus als Wirtschaftsfaktor wird wichtiger für Albanien

Im Bergdorf Theth und einigen anderen Orten beginnt die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), den Tourismus zu fördern. Auch Ricardo beginnt dort als Wanderführer zu arbeiten. Der Tourismus hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen und wird auch in Zeiten der Corona-Pandemie immer wichtiger für das Land. Beispielsweise haben 2019 mehrere zehntausend Touristen Theth besucht.

"Ein paar Traditionen sind überliefert worden. Man sagt zum Beispiel, das Haus gehört nicht dir, sondern Gott und dem Gast – darauf beruht die albanische Gastfreundschaft."
Ricardo Fahrig, Wanderführer

Erst seit rund 30 Jahren kann das Land, in dem fast 50 Jahre lang eine Diktatur mit marxistisch-leninistischem System herrschte, wieder bereist werden. Diese Zeit in der albanischen Geschichte habe die Globalisierung aufgehalten, wodurch alte Traditionen und Kultur erhalten geblieben seien. So zum Beispiel auch die traditionelle Gastfreundschaft der Albaner, die Ricardo zu schätzen weiß.

"Viele Sachen, die anderswo verloren gegangen sind, sind hier bestehen geblieben. Alte Tradition und Kultur sind erhalten geblieben, weil die Coca-Cola und die Jeanshose hier nicht so früh angekommen sind wie in anderen Ländern."
Ricardo Fahrig, Wanderführer in Albanien
Strand in Albanien
© Ricardo Fahrig
Baden an der albanischen Riviera.

Am 25. April wird in Albanien ein neues Parlament gewählt. Auf politischer Ebene sei eine Gleichberechtigung zu erkennen. Ricardo erzählt, dass seit der letzten Wahl im Jahr 2017 mehr Frauen als Ministerinnen ernannt worden seien als Männer – insgesamt elf von 19 Posten wurden Frauen zugesprochen. Außerdem gebe es auf kommunaler Ebene eine 50-prozentige Frauenquote.

Allerdings, wenn man sich ländlichere Regionen anschaue, herrschten hier patriarchale Strukturen und durch die hohe Arbeitslosigkeit oft eine ökonomische Abhängigkeit der Frauen von ihren Ehemännern, die das Geld verdienten.

Oppositionspartei boykottiert Wahlen

Das Ergebnis der anstehenden Wahl sieht Ricardo Fahrig schon als entschieden. Er sagt, dass die Menschen davon ausgingen, dass Edi Rama, der seit 2013 das Land als Ministerpräsident regiere, Zeit seines Lebens in diesem Amt verbleiben werde. Bei den vergangenen Kommunalwahlen hatten die Menschen auch keine große Wahl, denn die Oppositionspartei hatte die Wahlen boykottiert, sodass nur Edi Ramas Partei zur Wahl gestanden habe, sagt Ricardo.