In Duisburg gilt in der Innenstadt ein Alkoholverbot. Der Konsum von Bier, Schnaps und Co. ist hier verboten. Damit will die Stadt vor allem die Trinkerszene in den Griff bekommen. Doch längst nicht alle Duisburger finden das Alkoholverbot gut. Zumal bei Stadtfesten und in der Außengastronomie weiterhin Alkohol ausgeschenkt wird.

Freiburg war 2007 die erste deutsche Stadt, die im Kampf gegen Kriminalität und Gewalt ein Alkoholverbot eingeführt hat - das allerdings später vom Verwaltungsgerichtshof gekippt wurde. In München gilt seit gut einem Jahr rund um den Hauptbahnhof herum ein nächtliches Alkoholverbot. Düsseldorf will den Alkoholkonsum außerhalb von Kneipen und Gaststätten in der Altstadt einschränken. 

"Wir hatten vor Erlass des Alkoholverbots sehr viele Klagen von Bürgern, von Gewerbetreibenden und auch von Besuchern, die sich über Alkoholexzesse und die leider damit verbundenen Folgen zu beklagen hatten."
Rainer Enzweiler, CDU-Abgeordneter im Duisburger Stadtrat
Plan der Stadt Duisburg.
© Stadt Duisburg
Funfact: Die Verbotszone für Alkohol in der Duisburger Innenstadt hat die Form einer Flasche.

Und auch Duisburg ist seit Mai 2017 der Konsum von Bier und Schnaps auf allen Straßen im Innenstadtbereich untersagt. Zunächst hatte die Stadt in einer Testphase ausprobiert, ob sie mithilfe dieses Verbots die Trinkerszene in den Griff bekommen würde. Jetzt hat die Stadt das Verbot nach einer Zwischenbilanz um drei Jahre verlängert.

"Ich wohne direkt gegenüber der sogenannten Trinkerszene und ich hab noch nie Probleme gehabt. Es ist halt manchmal ein bisschen nervig, wenn da herum geschrien wird. Aber das Weinfest und das Stadtfest finde ich sehr viel nerviger."
Daniel Sehstedt, Innenstadt-Bewohner und Sozialarbeiter

Doch das Alkoholverbot kommt nicht bei allen Duisburgern gut an. In der Innenstadt gibt es eine kleine Gruppe von Männern, die dafür bekannt sind, regelmäßig dort zu trinken. Die sind sauer über das Verbot und dürfen sich jetzt beim Trinken nicht mehr von der Polizei und dem Ordnungsamt erwischen lassen. Aber auch Anwohner wie der Sozialarbeiter Daniel Sehstedt wünschen sich, dass die Stadt die Einwohner selbst entscheiden lässt, wann und wo sie ihr Feierabendbier trinken wollen.

Innenstadt-Bewohner in Duisburg Daniel Sehstedt.
© Dominik Peters | Deutschlandfunk Nova
Daniel Sehstedt ist Sozialarbeiter - vor seiner Haustür treffen sich Leute zum Trinken. Er ist trotzdem gegen das Alkoholverbot.
"Ich möchte als freier Mensch mit einem Wegbier in den Club gehen können. Junge Menschen, die sich treffen wollen, die wollen sich an den Brunnen setzen, mit einer Flasche Bier. Und wenn man das verbietet, dann unterbindet man alles, was irgendwie mit sozialem Miteinander, mit Jugendkultur zu tun hat."
Daniel Sehstedt, Innenstadt-Bewohner und Sozialarbeiter

Und die Männer, die in Duisburg am Kuhtor in der Innenstadt rumstehen und sich zum Trinken treffen, fordern gleiches Recht für alle. Wenn sie nicht in der Öffentlichkeit trinken dürfen, dann solle das Verbot genauso für Stadtfeste und die Außenterrassen der Gastronomen gelten, sagt einer von ihnen unserem Reporter Dominik Peters. 

Ralf Krumpholz, Gesundheitsdezernent in Duisburg, findet, dass sich die Situation in der Innenstadt seit dem Verbot verbessert hat. Es gebe weniger Störungen und Belästigungen und wenn doch fallen sie moderater aus. Bei einer Umfrage, die die Stadt in Auftrag gegeben hatte, haben sie 53 Prozent der befragten Bewohner für das Alkoholverbot ausgesprochen. Ob das Alkoholverbot in der Duisburger Innenstadt wirklich rechtens ist, prüft momentan noch das Verwaltungsgericht Düsseldorf.  

Urteil vom Verwaltungsgericht steht noch aus

Viele Befürworter des Alkoholverbots fordern allerdings noch zusätzliche Hilfsangebote für die regelmäßigen Trinker aus der Szene. Ein Streetworker ist bereits im Einsatz. Außerdem hat der Stadtrat jetzt beschlossen, Räume anzumieten. Dort solle die sogenannte Trinkerszene - manche davon sind auch obdachlos - auf Toilette gehen und sich und ihre Klamotten waschen können.