40 Prozent der Deutschen trinken mehr Alkohol. Spanien trinkt mehr Bier und Wein, Russland mehr Wodka. In den USA haben Drei-Liter-Tetrapaks Konjunktur. In Frankreich verkauft sich der Champagner aber schlechter. Grönland, Indien und Südafrika greifen zu drastischen Maßnahmen. Alkohol und Corona - ein Überblick.

"Trinken ist für mich so ein Gemeinschaftsding. Dass man zum gemeinsamen Trinken über Skype verabredet ist, ist etwas komplett Neues, was ich so vorher noch nicht kannte."
Lena, DLF-Nova-Hörerin

Die Eckkneipe nebenan hat zu, die Lieblingsbar die Straße runter auch. Auf den Feierabend-Drink am Tresen müssen wir auch schon seit Wochen verzichten. Der Gastronomie-Shutdown ist für viele nervig, aber bedeutet nicht automatisch "Schluss mit dem Rausch".

Ganz im Gegenteil: Die Deutschen trinken teilweise deutlich mehr als noch vor Corona, sagt Anne Koopmann vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen untersucht Anne Koopmann momentan in einer Studie, wie sich der Konsum von Alkohol und anderen Suchtmitteln generell während der Pandemie entwickelt. Ein Ergebnis:

20 Prozent trinken weniger. Aber 40 Prozent trinken mehr seit der Corona-Pandemie.

"Es gibt einen Anteil von 20 Prozent, die weniger trinken. Dann gibt es aber einen Anteil von 40 Prozent der Studienteilnehmer, die mehr oder viel mehr trinken seit der Corona-Pandemie."
Anne Koopmann, Oberärztin an der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin in Mannheim

Ein Bier ist kein Bier

In vielen Ländern gibt es laut dpa ähnliche Tendenzen wie in Deutschland. In Spanien, wo es seit Wochen eine strenge Ausgangssperre gibt, ist der Alkoholkonsum noch deutlicher angestiegen. Die Verkaufszahlen von Bier sind teilweise innerhalb von einer Woche um 80 Prozent gestiegen, bei Wein um 60 Prozent.

"Ich habe mich schon vermehrt dabei erwischt, dass ich mittags mit einem Radler in der Hängematte lag und dachte: Ach, das ist das gute Wetter. Aber auch als das Wetter schlechter geworden ist, sind die Radler nicht weniger geworden."
Jakob, DLF-Nova-Hörer

Für Brasilien meldet das Nachrichtenportal G1 unter Berufung auf mehrere Supermarktketten, dass die Verkaufszahlen von Alkohol stark in die Höhe gehen – sogar über die Zahlen während des brasilianischen Karnevals. In Russland ist der Verkauf von Wodka stark angestiegen. Und in den USA wird mehr als doppelt so viel Wein aus Drei-Liter-Tetrapacks getrunken, hat das Marktforschungsinstitut Nielsen herausgefunden.

In Frankreich dagegen sind in den ersten zwei Wochen der Ausgangssperre die Verkaufszahlen von Alkohol um rund 16 Prozent zurück gegangen. Vor allem der Champagnermarkt ist eingebrochen um über 50 Prozent. Nach kurzer Zeit haben sich die Zahlen aber normalisiert.

"Ich habe eher angefangen mehr zu meditieren, was meinen Alkoholdurst gelindert hat. Es kehrt so eine gewisse Ruhe ein und man merkt, man braucht Alkohol gar nicht."
Doro, DLF-Nova-Hörerin

Länder führen Alkoholverbot ein

Viele Länder fürchten, dass die Isolation während Corona zu einem überhöhten Konsum von Alkohol oder anderen Suchtmitteln führen könnte. Manche Länder haben auf die Sorge reagiert – mit Einschränkungen oder sogar Alkoholverboten.

In Grönland wurde Alkohol verboten, nachdem ein starker Anstieg bei häuslicher Gewalt festgestellt wurde. Dadurch sollen vor allem Kinder geschützt werden, begründete die grönländische Gesundheitsministerin die neue Maßnahme.

Mit dem Verbot steht Grönland nicht allein da. Auch Indien hat Alkohol zu großen Teilen verbannt, und auch in Südafrika wurde Alkohol komplett verboten. In beiden Ländern ist jetzt der Schwarzmarkt entstanden und viele Läden werden geplündert.