"Schleiereule" ist noch eine der harmloseren Beschimpfungen, die Kübra Gümüşay über sich ergehen lassen muss. Manchmal sagt ihr Sitznachbar in der Bahn auch, dass sie an ihrem Brot ersticken soll.

Die Journalistin Kübra Gümüşay kennt Alltagsrassismus. Oft seien es Blicke oder die Art, wie man behandelt wird, sagt sie. Etwa wenn beim Bäcker alle freundlich begrüßt werden, die Frau mit Kopftuch aber nur Unfreundlichkeit entgegen schlägt. In Zahlen und Daten lasse sich diese Form des Rassismus allerdings kaum erfassen. Deshalb hat Kübra vor einem Jahr den Twitter-Hashtag #schauhin ins Leben gerufen, um Erfahrungen mit Alltagsrassismus zu sammeln.

"Das ist ein Mensch und kein Kopftuch"

Es gibt zahllose Beispiele, die Kübra auflistet, von Beschimpfungen bis hin zu körperlichen Angriffen. Mit den ersten neugierigen Blicken kann sie umgehen. "Wenn mir Menschen im ersten Moment mit Vorurteilen begegnen, dann verstehe ich das", erklärt sie, damit habe sie kein Problem. "Vorurteile sind ok - aber einen Menschen auch auf den zweiten Blick nur über sein Kopftuch zu definieren, das ist problematisch."

"Wenn wir wirklich Alltagsrassimisus in Deutschland bekämpfen wollen, dann muss das in den Schulen, in der Polizei, in den Behörden, in der Regierung widerspiegelt werden."

Kübra Gümüşay verbringt viel Zeit ihre Leben in England, in Oxford. Auch dort gebe es Alltagsrassismus, doch sei er viel weniger stark ausgeprägt als in Deutschland. "Das zeigt mir, dass es auch anders geht", sagt Kübra. Das sei vor allem dem englischen und multikulturellen Behördenapparat zu verdanken. Ihre Forderung: Auch Deutschland muss die multikulturelle Gesellschaft spiegeln - durch Lehrerinnen mit Kopftuch zum Beispiel oder mehr schwarze Polizisten.