Frauen werden gegen ihren Willen betatscht und mit ekligen Sprüchen belästigt. Nicht nur abends im Club, sondern überall im Alltag.

Eine Universität in Deutschland im Hochsommer. Eine Studentin sitzt bei über 30 Grad im Büro ihres Dozenten. Es ist Sprechstunde, und verhandelt wird die Seminararbeit, die in zwei Wochen abgegeben werden muss. Der Dozent wischt sich den Schweiß von der Stirn und starrt immer wieder auf das T-Shirt der Frau und die Brust dahinter. Schnell ist klar, dass es sich hier nicht um ein Versehen handelt, und die Studentin will möglichst schnell den Büroraum verlassen. Beim Rausgehen sagt der Dozent beiläufig, dass die Studentin an die E-Mail mit der Seminararbeit noch ein Nacktfoto anhängen soll. Dann klappt das auch mit der richtig guten Benotung.

“In meinem Kopf steigt das Blut hoch. Aber ich will nicht verletzlich sein, ich will Stärke zeigen.“
Die Autorin

Draußen auf dem Flur beherrschen Verwirrung und Hilflosigkeit die Gedanken der Studentin. Sie hat gelernt, sich gegen solche Dinge aufzulehnen und sie nicht einfach so hinzunehmen. Auf der anderen Seite braucht sie den Schein und die Benotung durch den Belästiger in zwei Wochen für den weiteren Verlauf ihres Studiums.

Mehr als jede zweite Studentin wird an der Uni belästigt

Mit einem einzigen Satz verwandelt sich die Universität als Hort der Aufklärung in eine abstoßende Schmuddelkiste. Da hilft eigentlich nur der Gang zur Frauenbeauftragten der Uni. Aber wo sitzt die und was soll sie ihr sagen? Und vor allem: Bekomme ich trotzdem am Ende des Semesters meinen Schein, wenn ich mich über den Dozenten beschwere?

“Ich gehe langsam den Gang entlang. Und mit jedem Schritt, den ich mache, wird mein Wille, diesen Vorfall zu melden, kleiner.“
Die Autorin

Wahrscheinlich wird ihr die Geschichte eh so gut wie keiner glauben, denkt sie. Und eine Denunziantin wollte sie eigentlich auch nie werden. Das wäre doch so ziemlich das Gegenteil einer starken, unabhängigen Frau, oder? Die Freundinnen im Café scheinen sich an solche Formen von alltäglichem Sexismus allerdings schon gewöhnt zu haben und schieben das Verhalten des Dozenten schlicht auf dessen schrägen Humor.