Vor allem bei TikTok gehen die Videos rum: Menschen stehen vor Kühen und erschrecken sie mit einem Tanz. Dieser Trend ist nicht lustig, sondern gefährlich. Das hat der Almen-Gipfel beschlossen – und will nun darüber informieren, wie Touristen sich besser verhalten können.

In den Videos steht meist ein Mensch vor einer Kuh-Herde oder vor einer einzelnen Kuh, mal mit Zaun dazwischen, mal ohne, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Johannes Döbbelt. Dann startet immer das gleiche Lied: Kulikitaka heißt der Song von Tonio Rosario. An einer Stelle schmeißen alle die Hände in die Luft und zappeln – das erschreckt die Kühe und sie laufen weg.

"Mutterkühe mit einem Kalb können besonders aggressiv werden, weil sie ihr Kalb verteidigen wollen."
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk Nova

Almbäuerinnen und -bauern warnen davor, diesen Trend nachzumachen. Unabhängig von der Challenge, gibt es immer wieder Fälle, wo Menschen von Kühen angegriffen werden. In Deutschland gab es im vergangenen Jahr rund 7000 Verletzungen und neun Todesfälle durch Kühe. Eingeschlossen sind Menschen, die mit den Tieren arbeiten, aber auch auf Wanderer, die an den Kühen vorbeikommen. Besonders Mutterkühe können sehr aggressiv werden, da sie ihr Kalb verteidigen wollen, sagt Johannes Döbbelt.

Wanderin stirbt durch Herde

2014 ist eine Wanderin mit ihrem Hund zu nah an die Mütterkühe einer Herde herangetreten – und starb durch den Angriff der Herde. Solche Vorfälle sind selten, aber durchaus möglich, sagt Johannes Döbbelt.

Gefahr für Menschen und Tiere

Bisher gab es keine offiziellen Unfälle, die durch diese Challenge verursacht wurden, sagt Johannes Döbbelt. Aber: Eine Userin berichtet, dass sie nach der Aufnahme ihres Videos von einem Bullen gejagt wurde.

Ein solcher Schreck ist nicht nur für Menschen gefährlich. 2019 ist ein Läufer in Bayern nachts an einer Kuh-Herde vorbeigejoggt. Die Herde hat sich so sehr erschrocken, dass dabei 18 Kühe bis zu 300 Meter in die Tiefe gestürzt sind.

"Informationen gibt es sowohl vor Ort in den Betrieben, als auch auf Tafeln an allen Ausgangspunkten der Wanderwerwege. Wer das nicht sieht, will es schlichtweg nicht."
Thomas Wirnsberger, Tourismusverband Großarl

Vertreter und Vertreterinnen aus der österreichischen Politik und von verschiedenen Bauern- und Tourismusverbänden kamen nun bei einem Almen-Gipfel zusammen und wollen eine Informationsoffensive starten. Doch es gibt auch Online und vor Ort schon sehr viele Informationen, wie eine Person sich als Tourist zu verhalten hat, sagt Johannes Döbbelt.

Abstand halten und nicht füttern

Einige Regeln, an die sich jeder grundsätzlich halten sollte:

  • genug Abstand halten
  • die Kühe nicht füttern
  • besonders auf Mutterkühe achten, die ihre Kälber beschützen wollen
  • Kontakt der Kühe mit Hunden vermeiden und Hunde an der kurzen Leine führen
  • Wanderwege nicht verlassen
  • wenn die Kühe auf einen zugehen: ruhig bleiben, ihnen nicht den Rücken zukehren und den Tieren möglichst ausweichen

    Hier findet ihr eine Liste mit Verhaltensregeln für Wanderer und alle, die in den Alpen unterwegs sind.