Die Ärztin Natalie Grams hat sich in ihrem neuen Buch "Was wirklich wirkt" mit alternativen Heilmethoden auseinandergesetzt und ihre Wirkung geprüft. Sie kommt zum Ergebnis: Es gibt kaum wissenschaftlich valide Daten zu ihrer Wirkung. Sowohl Schüßlersalze als auch die Bachblütentherapie nimmt sie auseinander. Lediglich Yoga und der Meditation, in Teilen auch der Akupunktur, spricht sie eine messbare Wirkung zu.

Natalie Grams sagt, sie sei überrascht, dass viele alternative Heilmethoden als besonders wirksam gelten und dass ihnen kaum Nebenwirkungen nachgesagt würden. Wenn es aber darum ginge, wissenschaftliche Nachweise dafür zu bringen, dann würde das Eis jedoch sehr dünn.

"Ganz viele Menschen nehmen das ein und schwören da regelrecht drauf. Und wenn man mal nachschaut, wie sieht es denn mit dem Nachweis aus? Wirken die wirklich? Dann wird es dünn."
Natalie Grams

Schüßlersalze - Bachblüten - Akupuktur

Schüßlersalze sollen dem Körper Mineralien zufügen. Die Idee dahinter: Jede Krankheit entsteht durch ein Mineralstoff-Ungleichgewicht oder durch ein Defizit in den Zellen. Die Schüßlersalze werden über die in der Homöopathie oft verwendete sogenannte Potenzierung hergestellt. "[Schüßler, Anm. d. Red.] meinte dann, das funktioniert deswegen besonders gut. Man ist aber bis heute den Beweis schuldig geblieben", so Grams.

Auch bei Bachblüten gebe es keinen Wirksamkeitsnachweis, sagt Natalie Grams. In Bezug auf diese Tropfen sieht sie sogar eine gewisse Gefahr. Grams sagt Bachblüten würden für sich in Anspruch nehmen, dass sie auch bei Depressionen helfen. Sollten Menschen deswegen also auf Medikamente oder eine Therapie verzichten, könne das durchaus gefährlich werden.

"Dieses Grundkonzept der TCM, der Akupunkturpunkte und der Meridiane ist überhaupt nicht belegt."
Natalie Grams

Akupunktur ist Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und sei der bekannteste Teil der TCM im Westen. Zur Akupunktur gebe es viele Studien, aber ein großer Teil der Studien seien unzulänglich, so Natalie Grams. Nur in zwei Bereichen sei die Wirkung nachgewiesen: bei Knie- und Rückenschmerzen. Dort würde sie besser helfen als herkömmliche Mittel und deswegen würde sie in diesen Fällen auch von den Krankenkassen übernommen.

Meditation, Yoga, Qigong – durchaus Wirkung nachgewiesen

Für alles, was mit Bewegung zu tun habe – also Yoga oder Qigong – sei die Beweislage besser. Ebenso sei das bei Meditation der Fall.

Nach Natalie Grams sei unstrittig, dass alternative Heilmethoden vielen Menschen helfen würden. Aber das sei eben etwas anderes, als wenn man sagt, dass das auf eine spezifische arzneiliche Wirksamkeit zurückzuführen sei.

"Der Placebo-Effekt ist wertvoll und aus der Medizin nicht wegzudenken, aber viele Präparate und Mittel der Alternativmedizin haben eben auch nicht mehr als das zu bieten."
Natalie Grams

Die Ärztin und Autorin glaubt, dass folgende Dinge bei alternativen Heilmethoden zusammenkommen:

  • Einerseits würde es Menschen helfen, wenn sie das Gefühl hätten, selber etwas zu ihrer Heilung beitragen zu können und nicht einfach nur der Krankheit ausgeliefert zu sein. Wenn sie also Bachblüten oder Schüßlersalze zusätzlich zu einer Therapie nehmen würden, dann könne das durchaus einen positiven (psychologischen) Effekt haben.
  • Andererseits, so Natalie Grams, spiele der Placebo-Effekt eine entscheidende Rolle – nicht nur bei alternativen Heilmethoden, sondern auch bei der herkömmlichen Medizin.