Die Theater sind zu, Aufführungen soll es trotzdem geben. Per Messenger, Podcast oder Stream - die Kunstschaffenden arbeiten mit kreativen Lösungen um trotz Corona noch Kultur zu bieten. Doch die Überbrückungszeit trifft die Schauspieler hart. Denn entlohnt werden sie für ihre Mühen kaum.

Auch schon vor Corona war die Lage für viele Schauspielende prekär: Unterbezahlung, Überstunden und Unsicherheit. Das zeigte eine im letzten Jahr veröffentlichte Studie von Thomas Schmidt, Professor für Theaterwissenschaften an der Universität Frankfurt.

Dort gab ein Drittel der Kunstschaffenden außerdem an, in freien Beschäftigungsverhältnissen zu arbeiten. Das bedeutet in Corona-Zeiten: Auch wenn die Kurzarbeit für Kunstschaffende nun kommt - vielen nutzt das nicht.

Kreative Alternativen auch ohne Lohn

Nicht nur viele staatliche Theaterhäuser versuchen trotz der Pandemie das Publikum aus der Ferne zu unterhalten. Auch viele freie Gruppen, Schauspielende und Theater überlegen sich kreative Spielmöglichkeiten, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Christiane Enkeler.

Dabei wird alles probiert, was digital möglich ist. Es gibt zum Beispiel Audio-Walks mit Audio-Dateien, die sich das Publikum auf ihre Smartphones laden kann - und dann mit oder ohne live dazu geschaltete Schauspieler durch die Stadt läuft.

"Es ist gruselig zu wissen, dass die Aufführung läuft, aber ich niemanden beobachten kann. Es gibt keine Reaktion der Zuschauer und deswegen ist das Einzige was wir tun können: Daten verarbeiten."
Yves Regenass, Dramaturg der Theatergruppe "MachinaEx"

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Christiane Enkeler hat an einem Theaterstück der Gruppe MachinaEx teilgenommen - über den Messenger Telegram. Hier gilt: nicht nur zugucken, sondern auch mitmachen. Das war zwar auch vorher schon so, doch vor Corona befand sich das Publikum noch vor Ort und konnte sich austauschen und sehen, um zusammen Aufgaben zu lösen. Das Ganze funktioniert jetzt über Nachrichten.

Digitaler Charakter verändert Theatererleben

Fazit unserer Reporterin: Die Kommunikation funktioniert. Aber anders fühlt sich der Theaterabend dennoch an. "Ich musste mit Telegram erst etwas üben und herausfinden wo welcher Link und welches Dokument ist. Das zerreißt den Spannungsbogen etwas", sagt sie. Und vor allem: weder die anderen Zuschauer noch die Theaterleute kann sie sehen.

"Wenn es die Möglichkeit gibt, für die Künstler zu spenden, dann: mach!"
Christiane Enkeler, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Ob per Audio-Walk wie in Oberhausen oder Tübingen, per Telegram oder Stream, der Vorteil der alternativen Angebote ist: Sie sind komplett ortsunabhängig.

Und die meisten Angebote sind für das Publikum frei zugänglich. Nur manche erheben eine Gebühr. Das ist aber auch gerade das Problem, sagt Christiane Enkeler. Für viele ist die Situation schwierig, Gastspiele und projektgebundene Förderungen fallen gerade weg. Darum sind die Angebote auf Spenden angewiesen.