In Seattle hat Amazon jetzt den Shop "Amazon Go" eröffnet. Hier gibt es keine Kassen, sondern es wird per App bezahlt. Ob wir diese Art des Einkaufens auch bei uns haben werden, hängt von den Konsumenten ab.

Vermutlich würde es sich für uns wie Ladendiebstahl anfühlen: Wenn wir einen Supermarkt mit vollem Wagen verlassen und an der Kasse nicht bezahlen. Bei Amazon Go in Seattle gehören Kassen aber schon jetzt der Vergangenheit an. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Dominik Peters hat sich Amazon Go näher angeschaut. 

Die Einkaufsdaten werden an Amazon übermittelt

Kunden, die in den Laden kommen, halten ihr Smartphone mit entsprechender Amazon-App an einen Sensor und das System weiß dann, dass der Kunde den Laden betreten hat. Der Laden selbst steckt voller Hightech: Kameras, die die Kunden in den Gängen verfolgen, Sensoren und Waagen in den Regalen, die registrieren, wie viele Joghurtbecher zum Beispiel vom Kunden entnommen wurden. Der kann die Sachen direkt einpacken und anschließend durch eine Lichtschranke rausspazieren. Die Bezahlung läuft über die entsprechende Amazon-App. 

Wenn wir so einen Laden besuchen, bleiben wir natürlich nicht anonym. Denn Amazon bekommt über die App unserer Daten und weiß, was wir eingekauft haben. Ulrich Binnebößel ist beim Handelsverband Deutschland zuständig für den Bereich Zahlungsverkehr. Er hält die hier genutzten Daten für unproblematisch. Denn bei der Registrierung muss der Verbraucher einer Erklärung zur Erhebung, Nutzung und Weiterverarbeitung seiner Daten zustimmen. 

"Und im Rahmen dieses Vorgangs muss dem Verbraucher genau dargelegt werden, in welcher Form Daten erhoben und auch gespeichert oder weiterverarbeitet werden. Sprich: Das, was gesetzlich gefordert ist, muss dem Verbraucher bekannt gemacht werden."
Ulrich Binnebößel, Handelsverband Deutschland

Amazon muss sich also in den USA - genau wie in Deutschland - an Datenschutzregeln halten. Ob wir uns darauf einlassen oder nicht, entscheiden dabei wir Konsumenten. Übrigens betont Amazon, dass das System ohne Gesichtserkennung auskomme, sagt Dominik Peters. Die Menschen würden einfach als 3-D-Objekte wahrgenommen.

Technische Probleme verzögerten Eröffnung

Mitarbeiter soll es in dem neuen Laden aber schon geben: Am Eingang stehen sie zur Begrüßung, andere bereiten Salate zu, außerdem gibt es wohl am Alkoholregal eine Person, die das Alter der Kunden kontrolliert. Ebenfalls nicht automatisch funktioniert das Einräumen der Regale. 

Dass die Eröffnung nicht schon früher stattgefunden hat, lag an technischen Problemen. Zum Beispiel haben die Kameras den Überblick bei größeren Menschenmengen verloren. Außerdem hatte das System auch noch Schwierigkeiten, ähnliche Produkte – beispielsweise verschiedene Joghurtsorten - zu erkennen. Die größten Probleme haben die Entwickler nun behoben. Wahrscheinlich wird sich aber vieles jetzt auch im laufenden Betrieb noch ergeben, schätzt Reporter Dominik. Die Betreiber hoffen nämlich auch, dass der Algorithmus immer mehr dazu lernen wird, je mehr Besucher kommen. Je mehr Daten das System bekommt, desto zuverlässiger soll es auch werden. 

Akzeptanz der Kunden entscheidet

Die Meinungen, ob so eine Lösung demnächst auch hier bei uns möglich wäre, sind verschieden. Kai Hudetz, Experte für digitalen Handel am Institut für Handelsforschung in Köln glaubt, das wir nicht mehr lange warten müssen. 

"Innerhalb der nächsten 12 bis 18 Monate würde es mich schon sehr wundern, wenn wir da niemanden sehen, der dieses Thema so ähnlich zumindest auch hier in Deutschland aufzusetzen."
Kai Hudetz, Institut für Handelsforschung in Köln

Und er ist der Überzeugung, dass so ein System nicht an den Kunden in Deutschland scheitern wird. 

Anderer Meinung ist Ulrich Binnebößel vom HDE, Handelsverband Deutschland. Er sieht Parallelen zu bereits vorhandenen Konzepten, die es schon jetzt in deutschen Läden gibt: Self-Check-Out oder Self-Scanning.

"Hier sehen wir, dass eine Pilotphase noch nicht überschritten ist. Also es zeichnet sich noch nicht ab, dass hier ein großes Entgegenkommen der Verbraucher gibt."
Ulrich Binnebößel, HDE, Handelsverband Deutschland

Entscheidend für die Zukunft des Einkaufens ist die Akzeptanz von uns als Kunden. Danach richtet sich, ob wir diese Art des Einkaufens auch bei uns finden werden oder nicht. 

  

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