Das Leid von zwei Millionen Menschen, die allergisch auf Ambrosia reagieren, könnte bald ein Ende haben. Forschende haben einen natürlichen Feind – einen Käfer – entdeckt und arbeiten gerade daran, dass er in ganz Europa ausgesetzt wird.

Allergikerinnen und Allergiker kennen diese Pflanze gut: Ambrosia. Jedes Jahr im Spätsommer macht die Ambrosia richtig Probleme – die hoch allergenen Pollen lösen bei rund zwei Millionen Menschen Heuschnupfen aus. Weitere Symptome sind juckende Augen sowie Ekzeme oder allergisches Asthma.

Das besonders Gemeine daran: Eigentlich gehört die Ambrosia hier gar nicht hin. Sie ist eingewandert. Aber ein anderer Einwanderer könnte sie jetzt ziemlich gut bekämpfen und damit Millionen Allergikern enorme Erleichterung verschaffen. Es ist ein Käfer aus Nordamerika, namens Ophraella communa, der zur Familie der Blattkäfer gehört.

Untersuchungen auf freiem Feld möglich

Praktischerweise hat sich dieser Käfer in der Region Norditalien und Südschweiz ausgebreitet, was es den Forschenden erlaubte, ihn auf freiem Feld zu untersuchen. Dabei nahmen sie zwei Aspekte in den Blick:

  • Wie effektiv ist der Käfer in der Bekämpfung der Ambrosia
  • Hat er eventuell negative Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt

Die Studie unter Beteiligung der Universität Freiburg zeigt, dass in dem Käfer enormes Potenzial steckt, fasst Heinz Müller-Schärer von der Universität Freiburg zusammen.

80 bis 100 Prozent weniger Ambrosia-Pollen und -Samen

Um zu testen, wie effektiv der Käfer ist, haben die Forscher und Forscherinnen einige Felder mit Insektiziden von ihm befreit, andere nicht – und dann haben sie geschaut, wie viele Pollen und Samen der Ambroisa sich jeweils entwickeln. Die Ergebnisse waren eindeutig. Dort, wo der Käfer noch krabbeln durfte, gingen Pollen und Samen um 80 bis 100 Prozent zurück. Das heißt, auch die Ausbreitung der Ambrosia konnte gehemmt werden.

In einem zweiten Schritt wurden nahe verwandte Pflanzenarten angebaut, wie die Sonnenblume zum Beispiel, die aus derselben Familie stammt. Damit sollte herausgefunden werden, ob auch bei den anderen Pflanzen Schäden entstehen.

Dieser Vorgang wurde mehrfach wiederholt, auch in der Zeit, als es keine Ambrosien mehr gab.

"Wir haben geschaut, frisst der Käfer auch an den anderen Pflanzen und kann er sich selbst fortpflanzen, also legt er Eier ab und schlüpfen daraus neue Tiere."
Heinz Müller-Schärer, Professor an der Universität Freiburg

Das Ergebnis war, dass auf Sonnenblumen zwar einige visuelle Schäden gefunden wurden, diese aber keine negativen Auswirkungen auf die Ernte hatten. Dasselbe trifft auch auf weitere Pflanzen zu.

Käfer frisst vor allem Ambrosia

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass dem Käfer ein Buffet aus mehreren Pflanzen vorgesetzt wurde, er sich vornehmlich aber an der Ambrosia bedient hat. Für Allergiker und Allergikerinnen ist das eine sehr gute Nachricht.

"Der Käfer hat ein riesiges Potenzial mehr als zwei Millionen Allergiker von ihrem Leid zu befreien."
Heinz Müller-Schärer, Professor an der Universität Freiburg

Allerdings wollen die Forschenden noch nicht soweit gehen, zu empfehlen, den Käfer Ophraella communa europaweit als natürliche Waffe gegen Ambrosia auszusetzen. Zunächst müssen noch längerfristige Ökosystemanalysen gemacht werden, um herauszufinden, was passiert, wenn der Käfer sich ausbreitet – sprich: Welche sekundären Schäden er auf die Tier- und Pflanzenwelt noch haben könnte.

Europaweite Risikoanalyse

Sie schlagen vor, als nächsten Schritt europaweit eine große Risikoanalyse dieses Käfers zu machen. "Wir sind erst am Beginn eines europaweiten Bekämpfungsprojektes mit diesem Käfer", so Heinz Müller-Schärer.