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Passiert Freunden, Freundinnen oder Familienmitgliedern etwas Furchtbares, wollen wir für sie da sein - auch mit Worten. Doch genau die fehlen uns in genau solchen Situationen. Sarah Benz unterstützt Menschen in Notsituationen. Sie sagt, wichtiger als die richtigen Worte sei es, für eine Person da zu sein.

Körpersprache und Intention sind wichtiger als Worte

Warum es nicht nur ein Gefühl ist, dass Worte in manchen Situationen nicht genug sind, sondern warum es wirklich so ist, erklärt Seelsorgerin Sarah Benz so: "Worte können das, was geschehen ist, nicht rückgängig machen. Deswegen ist es fast egal, was man sagt."

Diese Erkenntnis nimmt Sarah Benz auch mit in ihre Arbeit als Seelsorgerin und Trauerbegleiterin. Es gehe darum, für die anderen Menschen da zu sein und ihnen zu erlauben, schweigen zu können.

Belastungssituationen können ungewöhnliche Reaktionen hervorrufen

Trotzdem habe sie als Seelsorgerin natürlich eine andere Aufgabe als zum Beispiel eine gute Freundin, so Sarah Benz. Sie beschreibt es so: Sie nimmt ihre eigenen Gefühle zurück und versichert den Betroffenen, dass sie ihre Gefühle zulassen dürfen und dass es auch normal und in Ordnung ist, sich überfordert, traurig oder einfach nur merkwürdig zu fühlen. Das habe damit zu tun, dass die Betroffenen an Belastungsgrenzen stoßen und dann auf eine Weise reagieren, die sie von sich selbst gar nicht kennen.

"Ich kann nicht allgemein sagen, welcher Satz gut oder schlecht ist, weil es am Ende wirklich darauf ankommt, wie ein Satz gesagt wird."
Sarah Benz, Trauerbegleiterin und Notfallseelsorgerin

Menschen, die ihren Angehörigen oder Lieben "das Richtige" sagen wollen, nimmt Sarah Benz den Druck. "Auf die Worte kommt es überhaupt nicht an, vielmehr kommunizieren wir unsere Intention über Stimmklang und Körpersprache." Und diese Intention, versichert sie, komme beim Gegenüber an.

"Wenn ich Anteilnahme in meinem Herzen spüre und sie authentisch zeige, dann kommt es an, auch wenn ich irgendwie stammele und sage, dass ich überhaupt nicht weiß, was ich sagen soll."
Sarah Benz, Trauerbegleiterin und Notfallseelsorgerin

Offenes Ohr, klare Sprache und nicht zu hohe Erwartungen

Einen Tipp, den sie für die Kommunikation mit Betroffenen geben kann, ist: Bei der Kommunikation geht es nicht darum, Informationen zu vermitteln. "Menschen in Krisen sind in ihrem Verständnis vermindert", sagt die Trauerbegleiterin ganz klar. Das müsse man wissen, um zu verstehen, warum manche Fragen sogar fünfmal gestellt und die Antwort sofort vergessen wird. Daher sei es wichtig, mit der betroffenen Person immer wieder Kontakt aufzunehmen, auch über die Augen, und zu fragen, ob die Person einen verstanden hat.

"Es geht bei einem Gespräch mit Betroffenen nicht in erster Hinsicht um Informationen, sondern darum, für sie da zu sein."
Sarah Benz, Trauerbegleiterin und Notfallseelsorgerin

Neben der Bewältigung kommt es auf Lichtblicke an

Neben dem Beginn eines Gesprächs mit einer Person, die sich in einer Notlage befindet, ist das Beenden des Gesprächs für viele schwierig. Sarah Benz rät, die nächsten Schritte zu besprechen. Man könne das Gegenüber auch fragen, inwiefern er oder sie Unterstützung braucht. Sie selbst versucht den Betroffenen eine Art Lichtblick zu geben: "Was machst du heute Abend, was dir guttun könnte?" Das könnten ganz kleine Dinge sein, wie eine Dusche oder ein Stück Schokolade. "Das mag nicht immer funktionieren", gibt sie zu, "aber ich würde es auf jeden Fall versuchen."

Wichtiger Hinweis

Ihr braucht selbst Hilfe oder macht euch Sorgen um eine Person aus eurem Umfeld. Dann könnt ihr euch telefonisch oder online bei der Telefonseelsorge melden. Unter den kostenlosen Hotlines 0800-111 0 111 und 0800-111 0 222 könnt ihr euch anonym und vertraulich beraten lassen. Weitere Hilfsangebote haben wir hier für euch aufgelistet.