Es ist ein Horrorszenario: Terroristen könnten einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben oder eine Bombe mit radioaktivem Material basteln. Mycle Schneider, Berater für Energiepolitik, sagt: Die Gefahr ist real.

Kurz nach den Anschlägen von Brüssel kam die Meldung, dass auch die belgischen Atomkraftwerke kurzfristig extra abgesichert wurden. Aus Sorge, Terroristen könnten sie angreifen. Aus Sicht von Terroristen ein lohnenswertes Ziel, aus unserer Sicht: der Horror. Dass diese Gefahr real ist, zeigt schon, dass Anschläge auf Atomkraftwerke heute und morgen in Washington auf dem Internationalen Gipfel für nukleare Sicherheit ein Thema sind.

"Man kann eindeutig sagen, dass wir bisher viel Glück hatten."
Mycle Schneider, Berater für Energiepolitik

Auch Mycle Schneider, Berater für Energiepolitik, sagt: Auszuschließen ist es nicht, dass Angriffe geplant werden, deren Ziel ist, große Mengen radioaktives Material aus einem Atomkraftwerke oder einer anderen Atomanlage austreten zu lassen. Dass Terroristen einen Atomsprengkopf entwenden könnten, sei in Ländern wie den USA oder Frankreich relativ unwahrscheinlich, in Pakistan sehe die Sache dagegen anders aus.

Ein weitere Möglichkeit: Terroristen könnten Spaltmaterial stehlen und mit dem Plutonium oder Uran einen Sprengsatz basteln. Und dann sind da noch die Päckchen mit Kobalt oder Cäsium, die weltweit herumgeschickt werden, weil sie in der Industrie oder der Medizin eingesetzt werden. Außerdem könnten Terroristen natürlich Atomanlagen oder Transporter mit Waffen oder Sprengsätzen angreifen.

"Es gibt Vorläuferevents und das Potenzial ist gewaltig."
Mycle Schneider, Berater für Energiepolitik

Mycle Schneider erzählt, dass es bisher schon einige Vorläuferereignisse gegeben habe. So hat schon in den 70er Jahren ein Entführer ein Flugzeug über einem Atomkraftwerk kreisen lassen. Und auch am 11. September 2001 ist in Pennsylvania ein Flugzeug abgestürzt, das wahrscheinlich das Atomkraftwerk von Three Mile Island zum Ziel hatte. Außerdem ist es in Belgien 2014 zu einem Sabotagefall gekommen. Ein oder mehrere Angestellte eines Atomkraftwerkes hatten über 60 Tonnen Öl auslaufen lassen und damit eine Dampfturbine schwer beschädigt.

Sicherheitsbehörden sind nicht untätig

Die gute Nachricht: Die Sicherheitsbehörden sind nicht untätig. So wird mittlerweile darauf geachtet, dass Spaltmaterial, das in Atomkraftwerken anfällt, an Orten gelagert wird, die gut gesichert sind. Allerdings werden weiterhin große Mengen Plutonium zweimal in der Woche in Frankreich über öffentliche Straßen auf eine Tausende Kilometer lange Reise geschickt. Ein leichtes Ziel, das es im Jahr 2016 eigentlich nicht mehr geben sollte, sagt Mycle Schneider.