Würzburg, München, Ansbach: So viele Anschläge und Amokläufe haben wir in so kurzer Zeit selten erlebt. Ist unsere Welt aus den Fugen geraten?

Erst der Axtangriff in einem Zug bei Nürnberg, dann der Amoklauf in München und jetzt noch der Selbstmordanschlag in Ansbach: So viele Taten in kurzer Zeit. Psychologen zufolge ist eine Reihung dieser Ereignisse rational erklärbar. Dadurch, dass Menschen, die schon länger über eine solche Tat nachdenken, von anderen Tätern hören und sich dann denken: Das mache ich jetzt auch. Darüber haben wir mit dem Medienpsychologen Frank Schwab gesprochen.

In den 70er und 80er Jahren gab es mehr Terroropfer

Trotzdem werden wir ein Gefühl nicht los: Dass es in den letzten Monaten, Jahren besonders viele Terroranschläge gegeben hat. Mehr als sonst. Was ist da dran? DRadio-Wissen-Reporterin Julia Möckl hat recherchiert und ist auf ein Erklärvideo der Tagesschau gestoßen, das zeigt: Die Zahl der direkten Opfer von Terroranschlägen war in den 1970er und 80er Jahren deutlich höher.

Früher war es schlimmer

In dieser Zeit sterben in Westeuropa durch den Terror der IRA, Eta und der RAF jedes Jahr mehr als 150 Menschen. Das ist seitdem nur noch zwei Mal passiert: Einmal 2004, als durch einen Al-Kaida-Anschlag auf Pendlerzüge in Madrid 191 Menschen sterben. Und vergangenes Jahr - bei den Anschlägen in Paris. Weil diese Anschläge sich völlig willkürlich gegen jeden von uns richten, haben viele von uns Angst. Statistisch gesehen ist es aber nach wie vor realistischer, bei einem Autounfall ums Leben zu kommen als durch Terror.

Und was ist mit den vielen Krisen und Kriegen auf der Welt? Der Hamburger Friedensforscher Martin Kahl hat festgestellt: Seit dem Ende des Kalten Krieges Anfang der 1990er Jahre hat die Zahl der Konflikte auf der Welt abgenommen. Das Jahr 2014 markiert allerdings eine Art traurigen Einschnitt, da es in diesem Jahr mehr Konflikte in der Welt gab als in den Jahren direkt davor - und auch mehr Opfer: vor allem in Syrien, im Irak und in Afghanistan. Um von einer Trendwende zu sprechen, ist es statistisch gesehen jedoch noch zu früh.

Unser Gefühl, es gebe zurzeit so viele Konflikte wie nie zuvor, ist trügerisch. Denn wir haben viele Kriege aus der Vergangenheit einfach nicht mehr auf dem Schirm - zum Beispiel den in Bangladesch in den 1970er-Jahren.

"Denken Sie beispielsweise an den Krieg in Bangladesch Anfang der 1970er Jahre, wo es in relativ kurzer Zeit eine Million Tote gab - das weiß heute überhaupt niemand mehr."
Friedensforscher Martin Kahl über Kriege in der Vergangenheit

Wir sollten uns darum von den aktuellen Ereignissen nicht verrückt machen lassen. Stattdessen lieber mal durchatmen und ab und an auf Nachrichten verzichten. Wie das geht, haben wir hier in der Redaktionskonferenz mit Christoph Koch besprochen.