Für die meisten von uns ist es selbstverständlich, uns dank unserer Phantasie in Geschichten hineindenken und uns andere Welten ausmalen. Menschen mit Aphantasie dagegen fehlt die Fähigkeit zum Kopfkino.

Aphantasie bezeichnet die fehlende Phantasie. Wie viele Menschen davon betroffen sind, lässt sich nicht genau sagen. Denn diejenigen, bei denen es angeboren ist, wissen nicht, was ihnen eigentlich fehlt.

"Oft wissen selbst Betroffene nicht, dass sie Aphantasie haben – zumindest wenn sie angeboren ist.
Jan Bungartz, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

An der Uni Bonn wird schon etwas länger zu Aphantasie geforscht. Schätzungen zufolge könnten drei Prozent der Bevölkerung in Deutschland betroffen sein – etwa zweieinhalb Millionen Menschen.

Es gibt Versuche, Aphantasie mit Methoden aus der Psychologie zu erforschen – zum Beispiel mit Hilfe von Fragebögen. Die kann man auch im Netz finden und ausfüllen. Es gibt dann eine Einschätzung, ob man vielleicht Aphantasie hat oder eher nicht.

Andere Ansätze setzen auf Experimente, bei denen Probanden eine Phantasie-Figur, wie zum Beispiel einen rosafarbenen Elefanten in einem Wimmelbild suchen müssen. Man geht davon aus, dass diejenigen, die sich den rosafarbenen Elefanten vorstellen können, ihn anschließend auch schneller finden.

Die Pupille reagiert

Eine neue Studie schlägt nun eine viel direktere Messmethode vor: den Pupillenreflex. Unsere Pupille ist je nach Helligkeit mal größer und mal kleiner, sie regelt den Lichteinfluss auf unsere Netzhaut. Es ist bekannt, dass auch Drogen oder andere Faktoren die Pupille beeinflussen können. Ein australisches Forschungsteam schreibt nun in einer Studie, dass auch bildliche Vorstellungen, also Kopfkino, die Pupillenweite beeinflussen können.

Bei Menschen, die eine lebendige Vorstellungskraft haben, konnten die Forschenden feststellen, dass sich ihre Pupillen auch dann veränderten, wenn sie nur an etwas Helles dachten.

"Ausgeprägter war die Pupillenweitung sogar bei Leuten, die sagten, dass sie sich eine helle Form sehr lebendig vorstellen konnten."
Jan Bungartz, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Bei Menschen mit Aphantasie hingegen blieb diese Pupillenreaktion aus, wenn sie sich ein helles Objekt vorstellen sollten. Die Forschenden haben ihre Versuche mit anderen Tests kombiniert, damit Teilnehmende nicht schummeln können.

Laut Studie ist der Pupillenreflex die erste Möglichkeit, Aphantasie anhand von körperlichen Reaktionen nachzuweisen. Das Phänomen könnte also in Zukunft deutlich besser erforscht werden.

  • Moderator:  Anke van de Weyer
  • Gesprächspartner:  Jan Bungartz, Deutschlandfunk Nova