Je mehr geklatscht wird, desto besser war die Show? Stimmt nicht immer. Manche Musiker tricksen und mieten sich Fans, die besonders euphorisch applaudieren. 

Fest steht: Klatschen ist wichtig für eine Band, die gerade ein neues Album auf der Bühne vorstellt. Wenn das Publikum begeistert scheint, dann findet vielleicht auch die anwesende Presse die neuen Songs besser. Das Gleiche gilt für Talkshow-Teilnehmer, die gerne zustimmende Klatscher haben wollen, wenn sie ihre Meinung präsentieren. Weil das Publikum aber nicht immer wie von selbst in frenetischen Applaus ausbricht, hat Klaus Bernhard ein Geschäftsmodell daraus gemacht.

Applaus steckt an

Klaus Bernhard vermietet mit seiner Firma Rent-A-Fan Applausgeber, sogenannte Claqueure. Die sollen entweder die Stimmung anheizen oder Applaus an Menschen verteilen, die sonst wenig Beifall bekommen. Vor allem Plattenlabels und Manager haben bisher bei ihm angerufen und Fans bestellt. "Die Musiker wissen davon meistens gar nichts", sagt Klaus Bernhard. Manchmal liefert er auch Klatscher an Firmenfeiern oder Messen, um die Besucher wie Filmstars zu empfangen.

Jutta Toelle
© Jutta Toelle
"Wir klatschen, weil wir eine Pause brauchen von der Konzentration, wir müssen uns abreagieren", sagt Jutta Toelle, Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt

Applaus zu bekommen fühlt sich toll an. Applaus zu geben aber auch. Jutta Toelle erforscht am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt, warum wir überhaupt klatschen. Sie sagt, es gehe nicht nur um die Zustimmung und Begeisterung. Wir klatschen auch, um uns abzureagieren, oder um uns eine Pause vom Konzert zu gönnen. Manchmal kann ein Applaus auch den Übergang in den Alltag erleichtern. Zum Beispiel nach einem Theaterstück, das eine ganz eigene Welt erschaffen hat.

"Die Wahrscheinlichkeit, dass ich selbst als Zuschauer klatsche, steigt mit der Anzahl der Leute, die um mich herum klatschen“
Jutta Toelle, Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt

Aber nicht nur das: Wir kommunizieren über das Klatschen auch mit den Musikern auf der Bühne. Und das beeinflusst wieder die Performance der Künstler. Quasi überall wo große Menschenmengen zusammenkommen, klatschen wir. Und das sorgt für ein Gemeinschaftserlebnis, das jeden von uns ansteckt: Je mehr Leute um uns herum klatschen, desto eher starten auch wir damit. Deshalb funktioniert Klaus Bernhards Geschäftsmodell so gut. In Zeiten digitaler Beifallsbekundungen hat der Applaus als analoger Like nicht an Bedeutung verloren.

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