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In Frankreich gibt es seit diesem Jahr ein Gesetz gegen zu viel Elektroschrott. Auf der Verpackung wird angegeben, wie gut sich ein Gerät reparieren lässt. Das Problem: Den Wert legen die Hersteller selbst fest.

In Frankreich sind seit diesem Jahr Hersteller von Elektrogeräten per Gesetz verpflichtet, einen sogenannten Reparaturindex auf den Verpackungen von Elektrogeräte abzudrucken. Dieser Index gibt an, wie gut ein Gerät repariert werden kann und besteht neben einer Skala in Ampelfarben aus einem Zahlenwert zwischen 0 und 10. Je höher die Zahl desto besser ist das Gerät zu reparieren.

Die Bewertung richtet sich nach Kriterien, die in einem Prüfkatalog festgehalten sind. Das sind zum Beispiel: Wie aufwändig ist es, Einzelteile eines Gerätes auszutauschen? Und was kostet das?

Aus Sicht von Verbraucherinnen und Verbraucher klingt das zunächst nicht schlecht. Es gibt aber eine Schwachstelle im neuen Gesetz:

Die Bewertung der einzelnen Produkte nimmt keine unabhängige Stelle vor, sondern die Hersteller selbst. Apple zum Beispiel gibt seinem "Macbook Pro 16 Zoll" aus dem Jahr 2019 6,3 von 10 Punkten. Dem "iPohne 12 Pro" 6 von 10.

"Der gesunde Menschenverstand sagt mir als langjährige Apple-Userin, dass zum Beispiel ein iPhone oder ein Macbook nicht so leicht zu reparieren ist."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Das Online-Magazin Maclife kritisiert, dass das neue Gesetz dem Hersteller es zu einfach macht. Zum Vergleich: Auf der Reparatur-Website "Ifixit" bekommt das Macbook Pro nur 1 von 10 Punkten für die Reparierbarkeit.

Das Tech-Magazin Golem weist darauf hin, dass fast alle Komponenten des Macbooks verlötet sind und Verschleißteile wie der Power-Button kaum erreichbar und damit nicht reparierbar sind. Bei iPhones scheint Apple etwas realistischer zu sein. Die 6 von 10 Punkten beim iPhone 12 Pro entsprechen der Punktzahl, die "Ifixit" dem Telefon gegeben hat.

An ähnlichem Gesetz wird auf EU-Ebene gearbeitet

Durch den Prüfkatalog für die Bewertung der Reparierbarkeit, können die Werte bei verschiedenen Geräten nicht immer leicht verglichen werden.

Das Fairphone zum Beispiel bekommt eine schlechtere Gesamtbewertung als ein Gerät von Samsung. Eigentlich ist das Fairphone so konstruiert, dass sich fast alle Teile austauschen lassen. Aber da es von einem vergleichsweise kleinen Unternehmen produziert wird, kann es lange dauern, bis Ersatzteile verfügbar sind. Das wiederum führt zu einem schlechten Ergebnis in der Unterkategorie "Ersatzteile".

Für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland kann das Gesetz in Frankreich interessant sein, weil auf EU-Ebene an einem ähnlichen Gesetz gearbeitet werden soll. Das könnte sich vielleicht am Gesetz in Frankreich orientieren.