Mit den gesetzlich vorgeschriebenen Ruhe- und Pausezeiten wird in Deutschland geschludert. Das liegt laut einer Arbeitspsychologin auch daran, dass wir oft gar nicht wissen, was eine gute Pause ist.

Jeder oder jede zehnte abhängig Beschäftigte arbeitet auch an Sonn- und Feiertagen, jeder oder jede Siebte auch abends - und rund 20 Prozent der Arbeitnehmenden arbeiten nachts. Die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhe- und Pausenzeiten werden dabei immer weniger eingehalten. So heißt es in zwei Antworten des Bundesarbeitsministeriums auf Anfragen der Fraktion der Linken im Bundestag.

Hanna Schade, Arbeitspsychologin am Leibnitz Institut für Arbeitsforschung an der Uni Dortmund, kann das nur bestätigen. Zum einen liege das an den Menschen selbst, die von sich aus keine Pause machten, zum anderen würde das vom Arbeitgeber billigend in Kauf genommen. Viele würden die Flexibilität im Homeoffice dazu nutzen, noch mehr zu arbeiten und noch weniger Pause zu machen.

Die Arbeitspsychologin stellt fest, dass es den Menschen zu Hause im Homeoffice eigentlich leichter fiele, Pausen zu machen, während der Pandemie habe sich aber die Arbeit verdichtet. Schuld daran seien zahlreiche Videokonferenzen, die die Arbeitszeit so strukturieren, dass es kaum möglich sei, selbstbestimmt zu entscheiden, wann sie Pause machen.

"Die viele Videokonferenzen machen es den Leuten schwieriger, wirklich selbstbestimmt zu entscheiden, wann sie eine Pause machen."
Hanna Schade, Arbeitspsychologin am Leibnitz Institut für Arbeitsforschung an der Uni Dortmund

Die Gesamtmenge durchgearbeiteter Zeit sei inzwischen noch höher als vor der Pandemie, obwohl sie zu dem Zeitpunkt schon auf einem hohen Niveau lag.

Warum Pausen wichtig sind

Wenn wir arbeiten und uns anstrengen, gelangen wir an einen Punkt der Erschöpfung und Müdigkeit. Ab dann sind wir nicht mehr so produktiv und reaktionsschnell. Die Pause soll dafür sorgen, dass wir uns erholen und uns danach wieder fit fühlen, um produktiv weiterzuarbeiten.

Pausenkultur entwickeln

Viele Menschen haben nicht gelernt, richtig Pause zu machen, also sich wirklich nicht mit irgendeiner Form von Arbeit zu beschäftigen, sondern ihre Pause so zu gestalten, dass sie "sich in möglichst kurzer Zeit möglichst stark erholen", sagt Hanna Schade. Das könne ein Powernap, ein Spaziergang oder ein Gespräch mit Kollegen sein. Danach sollten wir uns "ohne ein Gefühl der Überforderung wieder der Arbeit zuwenden können", so die Arbeitspsychologin.

"Die Pausenkultur als solche ist einfach nicht entwickelt. Viele Menschen wissen gar nicht, wie sie eine Pause gut gestalten sollten, damit sie sich in möglichst kurzer Zeit möglichst stark erholen."
Hanna Schade, Arbeitspsychologin am Leibnitz Institut für Arbeitsforschung an der Uni Dortmund

Die gute Pause

Eine sehr gute Form der Pause ist die soziale Pause, sagt Hanna Schade. In der sozialen Pause tauschen wir uns mit Kollegen und Kolleginnen oder auch anderen Menschen aus. Daraus können wir "ein gutes Gefühl schöpfen", so Hanna Schade.

Eine andere Möglichkeit ist die Ruhepause in der Natur, bei der wir die Augen von der Bildschirmarbeit entlasten und den Blick in die Ferne schweifen lassen können. Dabei können wir unsere Gedanken sortieren.

Schließlich gibt es noch den Powernap, einfach hinlegen, Fenster schließen, Rechner herunterfahren, Augen zu und weg. Danach können wir wieder frisch starten.

Shownotes
Weniger Arbeitspausen
Arbeitspsychologin: Viele haben keine Pausenkultur
vom 21. Mai 2022
Moderator: 
Ralph Günther
Gesprächspartnerin: 
Hanna Schade, Arbeitspsychologin am Leibnitz Institut für Arbeitsforschung an der Uni Dortmund