Die Gastronomie sucht Personal. Wer Interesse an dieser Arbeit hat, sollte wissen: Sexuelle Belästigungen sind nicht so selten. Eine Servicekraft sagt: Man muss es aushalten. Oder den Job wechseln.

An den Fenstern und Türen vieler Kneipen, Bars und Restaurants finden sich gerade Aushänge mit der Aufschrift "Personal gesucht". Während viele Betriebe aus der Gastronomie wegen der Coronavirus-Pandemie komplett oder teilweise schließen mussten, haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Küche und dem Service woanders nach einem Job umgesehen.

Wer also in der Gastronomie arbeiten möchte, sollte momentan gute Chancen haben, etwas zu finden. Wer sich das generell vorstellen kann, sollte aber wissen: Für Servicekräfte bedeutet die Arbeit in manchen Situationen, mit übergriffigen Gästen konfrontiert zu sein. Das haben uns einige von euch auf Instagram unter einen Post geschrieben, der danach gefragt hat, was passieren müsste, damit ihr wieder in der Gastro arbeiten würdet.

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Übergriffigkeit als Joballtag

Situationen, in denen Gäste sexuell übergriffig waren, hat auch Julia schon erlebt. Sie hat fast zehn Jahre in der Gastronomie gearbeitet und ihren Job dort die meiste Zeit gerne gemacht, sagt sie. Es sei aber auch zu Vorfällen mit Gästen gekommen, die ihre persönliche Grenze nicht respektiert haben, indem sie ihr etwa an den Po gefasst hätten.

"Gerade, wenn man Nachschub holt und durch die Leute muss, hatte ich auch Hände am Arsch."
Julia, hat fast zehn Jahre als Kellnerin gearbeitet

Maike ging es während ihrer Ausbildung zur Restaurantfachfrau ähnlich. Ihr sind besonders angetrunkene Männer aufgefallen, die sich ihr gegenüber obszön und übergriffig verhalten haben, erzählt sie. Sie hat für sich zwei Möglichkeiten gesehen: Entweder, sie hält Situationen wie diese aus oder sie hört mit dem Job auf.

Für Max, der als Barkeeper gearbeitet hat, war in solchen Fällen klar: Er spricht die sexuelle Belästigung direkt an und setzt die Gäste vor die Tür, sagt er. Auch er wurde schon von Gästen an den Hintern gefasst.

"Ich hab schon mit 18 gelernt: Wenn man abends alleine ist und dort überwiegend Männer sitzen, dann werden die nach ein paar Bierchen ein bisschen obszön oder teilweise auch übergriffig."
Maike, hat eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau gemacht

Grenzen klar aufzeigen

Überschreiten Gäste mit ihrem Verhalten eine Grenze sehen Philipp Hainke und Alexander Schleeweiß, die Geschäftsführer der Kölner Bar "Rose Bud", den Rauswurf der Gäste als einzige Lösung.

Auf eine Diskussion lassen sie sich nicht ein – auch wenn sie damit die zahlende Kundschaft vor die Tür setzen. Vielmehr ermutigen sie auch ihr Team, Gästen deutlich klar zu machen, dass sexuelle Belästigung nicht okay ist und Konsequenzen hat.

Fühlen sich Kolleginnen und Kollegen mit Gästen nicht wohl, weil die sie zum Beispiel immer wieder in ein Gespräch verwickeln möchten, setzt Felix auch auf sein Team. Hier gilt es, sich aus der Situation zu befreien und etwa einen Kollegen zu bitten, den Service zu übernehmen, sagt er.

Vor allem sollten Gäste, die in eine Kneipe, Bar oder ein Restaurant gehen, nicht vergessen, dass die Höflichkeit der Servicekräfte in erster Linie Teil ihres Jobs ist, sagt er, und nicht als etwas anderes interpretiert werden sollte.

"Wenn meine Kollegin gesagt hat: 'Da will ich echt nicht hin, der ist eklig'. Hab ich ihr vorgeschlagen: 'Dann geh du mal hinter die Theke und ich mache Service.' Das ist eine klassische Reaktion darauf."
Felix, hat als Barkeeper gearbeitet