Manuel arbeitet unter anderem als Türsteher im Club. Er verbindet seinen Job mit schnellem Geld, aber auch mit Existenzängsten. Unsere Perspektive auf Arbeit verändert sich, sagt Inga Höltmann, die zu New Work berät: Uns wird Sicherheit und Selbstverwirklichung wichtiger.

Seit er 18 Jahre alt ist, arbeitet Manuel im Gastro-Nachtleben. Während der Pandemie sind seine Bar-Jobs weggebrochen und er musste Hartz IV beantragen, erzählt er. Das sei eine ziemlich unangenehme Erfahrung für ihn gewesen. Dass die Branche so unsicher werden könnte, hätte er nie gedacht. Mit der Wiedereröffnung der Bars und Clubs ist Manuel dann als Türsteher an den Einlass gewechselt.

Gute Arbeit braucht Wertschätzung

Das Club-Leben nach der Pandemie ist anders als davor, findet er. Junge Leute, die während des Lockdowns 18 Jahre alt geworden sind, wüssten zum Teil gar nicht, wie sie sich vor der Tür, in der Schlange oder im Club zu benehmen hätten. Zum Teil seien sie total übermotiviert. Langsam würde sich das aber normalisieren.

"Junge Leute, die noch nie in im Club waren, die teilweise in der Pandemie 18 geworden sind, die wissen gar nicht, wie man sich im Club benimmt und sind natürlich jetzt total übermotiviert."
Manuel arbeitet unter anderem als Türsteher

Insgesamt fühlt sich Manuel in seinem Job als Türsteher wohl. Er wisse, dass er gute Arbeit leiste, wertgeschätzt werde und entsprechend entlohnt werde, sagt er. Allerdings reiche der Verdienst nicht aus, sein Leben zu finanzieren. Für Manuel ist die Nachtarbeit darum auch nur ein Bonus neben ein paar anderen Tätigkeiten. Seine Haupteinnahmequelle sei mittlerweile portugiesischer Sprachunterricht.

Manuels Arbeitsmodell – ein schöner Kontrast trotz Existenzsorgen

Trotz so mancher Existenzängste ist Manuel mit seinem Arbeits-Modell insgesamt zufrieden. Rückblickend habe das Geld immer ausgereicht. Allerdings kann er kaum in die Zukunft planen, sagt er. Hätte er Kinder, sei ihm das viel zu unsicher. So aber geht Manuel gerne arbeiten, sagt er, auch der Kontrast zwischen seiner Arbeit als Sprachlehrer und Türsteher gefalle ihm. Nur im Homeoffice zu arbeiten, das würde ihn kaputtmachen.

Unser Anspruch an Arbeit verändert sich

Inga Höltmann bietet Unternehmer*innen und Unternehmen Beratung bei internen Transformationsprozessen mit Schwerpunkt "New Work" an. New Work wird häufig auf Homeoffice oder Remotearbeit reduziert, stell sie fest.

Was den Begriff aber vor allem präge, sei eine Arbeit, bei der eine gemeinsame Augenhöhe, Wertschätzung, ein gesundes und positives Miteinander eine wichtige Rolle spielen, findet sie. Diese Prinzipien beträfen nicht nur bestimmte Berufe, sondern ließen sich auf die gesamte Arbeitswelt übertragen, sagt Inga.

"Was wir aber auch sehen ist, dass neue Arbeit auch viel mit der Veränderung der Arbeit, unserer Haltung und mit unserer Wertarbeit zu tun hat."
Inga Höltmann, New-Work-Beraterin

Neue Arbeit, das bedeutet für sie zunächst: Veränderung in der Arbeit, die durch unterschiedliche Treiber beeinflusst wird – zum Beispiel Klimawandel, technologische Veränderungen oder die Flexibilisierung in verschiedenen Bereichen. Vor allem verändert auch der Wertewandel in der Gesellschaft unsere Haltung und den Blick auf Arbeit, sagt Inga.

Bedürfnis nach Sicherheit und Sinnhaftigkeit wächst

In einem Umfeld, das zunehmend als unsicher empfunden werde, hätten jüngere Generationen ein größeres Bedürfnis nach Sicherheit in ihrem Job. Daran knüpfe ein weiteres Bedürfnis an: ein guter Verdienst. "Ich muss einen guten Job haben, der mich auch trägt, damit ich den Lebenswandel, den ich mir vorstelle, auch wirklich finanzieren kann", so die Beraterin.

Diese Sicherheit im Job, das gute Einkommen und dazu noch eine gesunde Work-Life-Balance sind die stärksten Bedürfnisse, sagt Inga. Mit fortschreitenden Berufsleben würden die dann expandieren. Dann käme etwa die Sinnfrage noch hinzu.

"Und dann expandieren diese Bedürfnisse. Dann merken wir, ich möchte jetzt auch noch mehr von meinem Job haben. Zum Beispiel, dass ich ihn wirklich als sinnvoll und sinnhaft erlebe."
Inga Höltmann, Unternehmensberaterin

Dass Arbeitnehmende das Gleichgewicht von Arbeit, Freizeit und Familie oder Beziehung immer wichtiger würde und der technologische Fortschritt immer mehr Möglichkeiten schaffe, müssten Unternehmen in ihrem Angeboten, ihren Bewerbungs- und ihren Recruitingprozessen viel mehr berücksichtigen, sagt Inga.

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In diesem Beitrag enthaltene Kapitel:
  • Manuel arbeitet im Nachtleben
  • Inga Höltmann über New Work und Arbeitsbedürfnisse
  • Ab 21
  • Moderatorin:  Shalin Rogall
  • Gesprächspartner:  Manuel arbeitet unter anderem im Nachtleben
  • Gesprächspartnerin:  Inga Höltmann kennt sich aus mit New Work