Krank auf der Arbeit zu sein, ist für jede zweite beschäftigte Person offenbar die Regel. Besonders Menschen, die häufig Überstunden machen, gehen auch krank zu arbeiten. Den anderen in ihrem Team tun sie damit oft keinen Gefallen.

Wenn wir krank sind, sollten wir uns bekanntlich zu Hause ausruhen, damit wir wieder gesund werden. Jede*r zweite Beschäftigte geht aber trotz Krankheit weiter arbeiten. Zudem arbeiten Frauen öfter krank als Männer. Das zeigt eine Studie der Technischen Krankenkasse (TK) und des Instituts für Betriebliche Gesundheitsberatung.

Fachleute sprechen vom sogenannten Präsentismus, wenn Menschen weiter arbeiten, obwohl sie sich nicht fit fühlen oder ihre Leistung durch Krankheit eingeschränkt ist.

Für ihre Studie haben die Forschenden rund 10.200 Beschäftigte in insgesamt 43 privaten Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen zwischen 2018 und 2021 befragt. Laut der Studienautor*innen hat das Arbeiten trotz Krankheit für kaum jemanden einen Vorteil.

Krank arbeiten lohnt sich kaum

Bei den Mitarbeitenden steigt das Risiko, die Krankheit nicht richtig auszukurieren und zu verschleppen. Im schlimmsten Fall kann dann aus einer Erkältung zum Beispiel eine Herzmuskelentzündung entstehen. Auf der anderen Seite können kranke Beschäftigte ihre Kolleg*innen anstecken, wodurch zusätzliche Arbeitskräfte fehlen. Die Studie hat auch gezeigt, dass Menschen mehr Fehler bei der Arbeit machen, wenn sie krank sind, schreiben die Forschenden.

Angst vor Arbeitslosigkeit und Gruppenzwang

Aus älteren Berichten und Studien ist bekannt, dass es für Präsentismus verschieden Gründe gibt: Einerseits hat die Wirtschaft und die Beschäftigungslage eines Landes einen Einfluss auf die Beschäftigten. Geht es der Wirtschaft schlecht, gehen Beschäftigte eher krank zur Arbeit, weil sie unter anderem befürchten, ihren Arbeitsplatz zu verlieren.

Andererseits wirkt sich auch die Unternehmenskultur auf ihre Entscheidung aus. Werden Fehlzeiten eher als kritisch bewertet und gibt es einen gewissen Erwartungsdruck innerhalb des Teams, nehmen Beschäftigte es eher in Kauf zu arbeiten, obwohl sie sich nicht fit genug fühlen.

"Man möchte die Aufgaben schaffen oder fühlt sich verpflichtet, einen Dienst zu erfüllen, schleppt sich krank zur Arbeit, macht den Job mehr schlecht als recht und kann die Krankheit nicht richtig auskurieren"
Julia Polke, Deutschlandfunk Nova

Überstunden und Zeitdruck

Von den über 10.000 Befragten gab ungefähr ein Drittel an, sie würden häufig oder immer Überstunden machen. Sie neigen laut der Forschenden eher dazu, mit ihrer Arbeit weiterzumachen, auch wenn sie krank sind.

Die Studienautor*innen sehen hier besonders die Unternehmen in der Verantwortung, dieser Entwicklung entgegenzusteuern. Ihre Befragung hat auch gezeigt, dass Überstunden und Zeitdruck oft mit einer Unzufriedenheit über die Führungsqualität der Chef*innen einhergeht.