Aufgrund einer Dürre ist im nordirakischen Kurdengebiet ein überschwemmter Palast aus einem Staussee aufgetaucht, um nach kurzer Zeit wieder unter der Wasseroberfläche zu verschwinden. Drei Wochen lang hatte ein internationales Archäologenteam Zeit, um die Überreste des Palastes zu untersuchen.

Schon vor acht Jahren ist antike Stadt Kemune bei einem Niedrigwasserstand in der Mosul-Talsperre gefunden. Den Palast hatte damals aber niemand entdeckt.

Bei der erneuten Sichtung wussten die Forscherinnen und Forscher, dass es schnell gehen muss, weil wenig Zeit bleibt, bis das Wasser wieder steigt. Nachrichtenredakteur Matthias Wurms ist beeindruckt, wie schnell die Forscher reagiert haben. Er sagt, das sei im Forschungsbetrieb nicht immer so.

Bedeutendste Entdeckung in der Region

Der Palast von Kemune gilt als eine der bedeutendsten archäologischen Entdeckungen im Nordirak in den vergangenen Jahrzehnten, sagt der kurdische Archäologe Hassan Ahmed Kasim, der mit einem internationalen Team von Archäologen aus Tübingen und Duhok im Irak drei Wochen lang Zeit hatte, das einzigartige Artefakt zu untersuchen.

Wandmalereien aus einem antiken Palast im Nordirak.
© Universität Tübingen | eScience Center
Sensationeller Fund: Waldmalereien bleiben selten erhalten

Wassermangel legt antiken Palast frei

Im vergangenen Jahr hat es im Nordirak so wenig geregnet, dass der Tigris und damit der Mosul-Stausee wenig Wasser hatten. Durch den geringen Wasserspiegel des Stausees sind die alten Mauern der antiken Stadt Kemune und die Ruine des Palasts sichtbar geworden.

Palast ist dreieinhalbtausend Jahre alt

Die Archäologen gehen davon aus, dass die Anlage, die sie gefunden haben, aus der Bronzezeit stammt. Das heißt sie ist etwa dreieinhalb tausend Jahre alt. Und das heißt wiederum, dass die Stadt und der Palast zum alten Mittani-Reich gehörten. Und über dieses Reich, das auch Hanigalbat genannt wird, weiß man zwar, dass es früher sehr groß und mächtig war. Aber wie genau es funktioniert hat, warum es so mächtig wurde und dann wieder verschwand, konnten Forscher bisher noch nicht herausfinden.

"Die Forscherinnen und Forscher sagen, sie hätten so schnell gegraben wie sie konnten, weil sie natürlich wussten, dass ihnen nur wenig Zeit bleibt, bis das Wasser wieder steigt."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk Nova

Fundstätte bietet neue Erkenntnisse über das Mittani-Reich

Um 1500 vor Christus reichte das Mittani-Reich vom Mittelmeer über das heutige Syrien bis in den Nordosten des heutigen Irak, und es gehörten Städte dazu wie Aleppo im Westen und Ninive und Assur am Tigris. Eine Zeit lang stand das Mittani-Reich auf einer Stufe mit dem Pharaonenreich in Ägypten und dem Babylonischen Reich, beziehungsweise später mit den Assyrern. Um 1270 vor Christus wurde der letzte Mittani-Herrscher dann von den Assyrern besiegt – richtig gut erforscht ist das Mittani-Reich bisher nicht.

"Besonders gefreut haben sie sich aber darüber, dass sie Überreste von Wandmalereien entdeckt haben, in leuchtend rot und blau. Man weiß zwar, dass Wandmalereien damals typisch waren für Paläste in der Region, aber sie sind nur extrem selten erhalten."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk Nova

Die antike Stadt Kemune muss bedeutend gewesen sein, weil dort sonst kein Palast gebaut worden wäre, sagt Matthias Wurms aus der Nachrichtenredaktion. Dass es sich um einen imposanten Palast gehandelt haben muss, konnten die Archäologen an den sieben Meter hohe Mauern, die zum Teil zwei Meter dick sind, erkennen.

Im Palast wurden insgesamt zehn Tontafeln mit Keilschrift gefunden hat. Die werden zurzeit noch übersetzt. Sie sind ein ganz besonderer Fund, denn bisher stammt das, was man über das Mittani-Reich weiß, vor allem aus fremden Quellen, aus Ägypten oder Assyrien zum Beispiel.

Archäologische Sensation: Wandmalerei

Besonders gefreut haben sich die Forscher über die Überreste von leuchtend roten und blauen Wandmalereien, die sie vor Ort entdeckt haben. Es ist zwar bekannt, dass Wandmalereien für Paläste in der Region typisch waren, aber sie sind nur extrem selten erhalten. Schon deswegen, sagt Ivana Puljiz vom Tübinger Institut für die Kulturen des Alten Orients, sei der Fund eine archäologische Sensation.