Eine Ausstellung zur Baugeschichte zeichnet den Wandel nach, den die Architektur von Universitäten in den letzten Jahrzehnten durchlaufen hat.

Die Kölner Uni ist bekannt für ihre brutalistischen Bauten: Grobe Klötze aus Beton mit wenig Fenstern. Brutalistisch heißt dieser Architekturstil nicht wegen der brutalen Anmutung der grauen Sichtbetonflächen, sondern wegen der ursprünglichen französischen Bezeichnung béton brut, roher Beton.

Mehr Platz schaffen für mehr Studierende

Als Brutalismus wird heute der dominierende Baustil zwischen 1960 und 1980 bezeichnet. Damals entstanden in Deutschland zahlreiche Uni- und Fachhochschulgebäude, weil die Studierendenzahl regelrecht explodierte. Bis zu 2.100 Studierende finden beispielsweise im Hörsaalgebäude der Uni Köln Platz.

"Wir haben mit Universitäts- und Stadtbibliothek, aber auch mit dem Hörsaalgebäude wohl zwei der spannendsten brutalistischen Bauten in Köln."
Niklas Irmen, Masterstudent der Kunstgeschichte

Ab 1971 wurde auch das Kölner Philosophikum gebaut, ein weiteres typisches Hochschulgebäude für diese Zeit. Für eine Ausstellung zur Baugeschichte der Hochschulen in Köln, haben Studierende der Architektur und der Kunstgeschichte die baugeschichtliche Entwicklung nachgezeichnet. Einer von ihnen ist der Kunstgeschichtsstudent Niklas Irmen, der sich den Stil und die Funktionalität der Gebäude angesehen hat.

"Der Bau ist ein gewaltiger terrassierter Riegel und er war dazu bestimmt, mehrere philosophische Seminare und Bibliotheken aufzunehmen und dauerhaft unter einem Dach zusammen zu bringen."
Niklas Irmen, Masterstudent der Kunstgeschichte

Viele Seminarräume haben eine sehr niedrige Decke, unverputzte Wände und keine Fenster – das mag aus heutiger Sicht ungewöhnlich wirken. Die Gebäudeplaner von damals verfolgten aber eine klare Absicht: Die Studierenden im Seminar sollten nicht durch den Blick nach draußen vom Lernen abgelenkt werden – eine zwar zeittypische, heute etwas absurde Vorstellung vom Studium, findet Deutschlandfunk-Nova-Reporter und Bildungsexperte Armin Himmelrath.

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Dass man Studierende nicht den ganzen Tag lang ohne Tageslicht in bunkerartigen Räume stecken kann, war aber auch den Planern vor 50 Jahren schon klar, sagt der Niklas Irmen. Die Unibibliothek sei ein Beispiel dafür. Die Lesesäle, durch deren große Fenster Ausblicke in die umgebende Natur eröffnet werden, zeigten das. Die Bibliothek liegt in einer Parkanlage, die mit Wasserbecken und kleinen hügeligen Wiesenstücken gestaltet ist. Beim Lesen können die Studentinnen und Studenten somit auch mal einen Blick ins Grün werfen, sagt der Kunstgeschichtsstudent.

Universitäten heute: Orte der Inspiration und Begegnung

Inzwischen werden Hochschulbauten ganz anders geplant, sagt Susanne Leinss, Leiterin der Stabsstelle Campusentwicklung an der Universität Lüneburg. Dort wurde 2017 ein neues Zentralgebäude, die Leuphana, eingeweiht, die der US-amerikanische Stararchitekt Daniel Libeskind entworfen hat.

Der Lüneburger Uni-Bau zeigt zwar ebenfalls viel Beton, dazu aber auch große Glasflächen, eine ungewöhnliche Architektur ohne gerade Wände und mit ganz vielen Verbindungen, die von den Räumen zum Außengelände führen. Diese Offenheit soll den Geist anregen, so die Idee des Architekten. Und sie soll für Begegnung sorgen – der Hochschulangehörigen untereinander, vor allem aber auch mit Menschen außerhalb der Universität.

"Wir haben ja ein so genanntes Libeskind-Void hier im Gebäude: Zwischen dem Foyer und dem großen Saal haben wir eine Raumentwicklung über 13, 14, 15 Meter Höhe, mit Oberlichtern und allem. Das ist natürlich ein wahnsinnsoffener Ort."
Susanne Leinss, Leiterin der Stabsstelle Campusentwicklung an der Universität Lüneburg
Zentralgebäude der Uni Lüneburg entworfen vom Architekten Daniel Libeskind.
© IMAGO | imagebroker
Die Leuphana, das Zentralgebäude der Uni Lüneburg, entworfen von dem Architekten Daniel Libeskind

Trend zur Öffnung nach außen

Universitäten, sagt Daniel Libeskind, sollen Orte sein, von denen aus die Welt verbessert wird. Und deshalb dürften, anders als noch in den 1970er Jahren, Hörsäle und Seminarräume heute die Studierende nicht mehr von der Welt draußen abschotten.

Stattdessen gehe es um Austausch und um neue Unterrichtsformate: Projekt- und Gruppenarbeit, Präsentationen, Begegnungen mit der nicht-akademischen Welt. Große Vorlesungen gehören manchmal aber auch noch dazu. Für die Architektur ist das eine Herausforderung, weil die Räume auf ganz unterschiedliche Weise nutzbar sein sollen – mal mit, mal ohne Stühle.

"Der große Saal ist ja Bestandteil dieses multifunktionalen Konzepts, dass eben auch Dritte Veranstaltungsflächen bei uns nutzen können, wenn wir sie nicht benutzen."
Susanne Leinss, Leiterin der Stabsstelle Campusentwicklung an der Universität Lüneburg