Als Thomas Bormann 2011 als Korrespondent in die Türkei ging, erlebte er eine offene Atmosphäre. Eine Wirtschaft im Aufschwung, EU-Beitrittsverhandlungen in vollem Gange. "Ein moderner Staat", sagt der ARD-Korrespondent. Jetzt fünf Jahre später verlässt er das Land in einer völlig anderen Situation: "Die Regierung hat es geschafft, die Leute einzuschüchtern."

"Es gibt quasi nur noch Journalisten, die frei berichten können, die bei regierungsfrommen Zeitungen arbeiten."
Thomas Bormann
ARD-Korrespondent Thomas Bormann.
© Thomas Bormann
Fünf Jahre war Istanbul die Heimat von ARD-Korrespondent Thomas Bormann.

Im Gegensatz zu seinen türkischen Kollegen fühlte sich Thomas Bormann bei der Berichterstattung nicht behindert. Was er aber unterschätzt habe, sagt er, sei der Überwachungsapparat von Erdogan. Wenn er mit dem Auto über die Grenze nach Griechenland fuhr, begrüßten die Soldaten ihn bei der Rückkehr schon direkt mit "Hallo, Mister Bormann." Und auch, wenn sich Menschen während der Gezi-Proteste über Social Media verabreden wollten, erlebte er: Oft wartete die Polizei dann schon am verabredeten Treffpunkt.