Die größte Arktisexpedition aller Zeiten startet im Herbst 2019: die MOSAiC (Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate). Meeresforscherin Antje Boetius wird dabei sein. Schon jetzt bricht sie auf zum Forschungsschiff Polarstern, das derzeit noch in der Antarktis liegt.

Schon auf über 50 Polarexpeditionen war Antje Boetius dabei. Sie weiß also genau, was sie in ihren Koffer packt, wenn es losgeht in Richtung Antarktis. Dort liegt derzeit noch das Forschungsschiff Polarstern, das im Herbst zu einer gigantischen Expedition aufbricht: Einmal quer durch das Nordpolarmeer.

Antje Boetius packt warme und bequeme Kleidung in ihren Koffer – alles, was man gut übereinanderziehen kann. Denn in der Antarktis herrschen auch jetzt im Sommer Temperaturen um die Minus 20 Grad. Die dicke und schwere Polarkleidung musste sie ohnehin schon vorausschicken, sagt sie. Die passe nicht in den Koffer.

"Das berührt einen sehr, wenn man als Mensch in dieser Region ist, wo man die letzte große Wildnis mit eigenen Augen betrachten kann."
Antje Boetius, Meeresbiologin und Leiterin des Alfred-Wegener-Instituts

Wenn Antje Boetius an das denkt, was im Herbst vor ihr liegt, kommt sie ins Schwärmen: Die Arktis ist für sie ein besonderer Ort – "einfach wunderschön und anrührend", sagt sie.

Das Meer werde ganz ruhig, die Meereslandschaft verändere sich schon, bevor man ins Eis komme. "Bei Sonnenschein erscheint das Eis der Arktis in vielen verschiedenen Farben."

Robben, Wale und Eisbären bekommen die Forscher mit eigenen Augen zu sehen. "Meine Güte, ob das in 20 Jahren noch sein wird?", fragt sich Antje Boetius dann.

Mit der Drift durch das Eis

In der Arktis wurde schon oft geforscht. Das Besondere an der internationalen Expedition ab Herbst 2019 ist aber, dass sie ein Jahr lang dauern wird und die Forscher samt Schiff quer durch das Nordpolarmeer driften.

"Die Polarstern legt an einer Eisscholle an, dann friert sie fest, und dann wird sie ein Jahr lang mit dem Meereis bis in unsere europäischen Gewässer zurückdriften."
Antje Boetius, Meeresbiologin und Leiterin des Alfred-Wegener-Instituts

Bei der Arktisexpedition geht es um Grundlagenforschung, um die Zusammenhänge zwischen dem Meereis, der Atmosphäre und dem Ozean. Oder auch um die Frage, wie Lebewesen und Mikroorganismen eigentlich den arktischen Winter überstehen. "Es ist ja stockduster für sechs Monate. Und das wollen wir jetzt mal gründlich erforschen", sagt Antje Boetius.

"Das Meereis ist dünner denn je, der Ozean ist wärmer denn je."
Antje Boetius, Meeresbiologin und Leiterin des Alfred-Wegener-Instituts
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Insgesamt 600 Menschen aus 17 Ländern nehmen an der Expedition mit dem Namen "MOSAiC" teil. Die Mannschaft wird alle zwei bis drei Monate ausgetauscht, so Antje Boetius – dabei helfen russische Eisbrecher, die möglichst weit an das Schiff herankommen sollen.

Glücksgefühl statt Depression

Trotz Dunkelheit wird die Wissenschaftlerin sicherlich nicht in eine Depression verfallen, da ist sie sich sicher. Wer so etwas miterlebt, befinde sich eher in einem Glücksrausch, meint sie. Forscher und Mannschaft arbeiten in Schichten, sodass jeder genügend Schlaf bekommt. Die Zeit vergehe meist wie im Flug, weil es so wahnsinnig viel zu arbeiten gebe.

"Ich bin eher so ein Nachtmensch – und da bleibe ich immer eher länger auf und schlafe in den Tag hinein. Es ist ja dauerhaft dunkel."
Antje Boetius, Meeresbiologin und Leiterin des Alfred-Wegener-Instituts

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