Helene studiert und arbeitet – und weiß nicht, wie sie über die Runden kommen soll. Das Studium erlaubt es ihr eigentlich nicht, nebenbei noch zu arbeiten, doch anders geht es nicht. Damit ist sie nicht allein: Mehr als ein Drittel der Studierenden in Deutschland ist armutsgefährdet.

Laut einem Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes stehen Studierenden in Deutschland im Durchschnitt 802 Euro im Monat zur Verfügung. Davon gehen durchschnittlich 440 Euro für das Wg-Zimmer drauf, in großen Städten wie München oder Hamburg sogar 570 Euro. Viel übrig bleibt da nicht.

"Es gibt nichts Positives, was ich der Tatsche, im Studium arm zu sein, abgewinnen kann. Ich habe zurzeit das Problem, dass es in meiner Wohnung schimmelt, ich brauche ein neues Bett und ich weiß nicht, wie ich mir das leisten soll."
Helene, Studentin

Helene ist 25 und studiert Dramaturgie im Master. Obwohl sie ihren Studiengang liebt, wünscht sie sich häufig, sie hätte stattdessen eine Ausbildung gewählt, bei der sie bereits Geld verdienen würde. Denn ihre finanzielle Situation belastet sie sehr: Ihr Studium ist nicht darauf ausgerichtet, doch Helene muss nebenbei arbeiten, um sich überhaupt über Wasser halten zu können. Während einige ihrer Kommilitonen Pause haben, muss sie arbeiten – wenn ihr Studium das überhaupt zulässt. Oft kommt sie am Ende gar nicht auf 450 Euro, weil sie nicht so viele Stunden arbeiten kann.

Bafög ändert kaum etwas an der Armut

Bafög bekommt Helene nicht mehr, weil sie im Master ihr Fach gewechselt hat. In so einem Fall verfällt der Anspruch auf den Zuschuss. Aktuell bekommen gerade einmal elf Prozent der Studierenden Bafög – das entspricht nicht einmal einem Drittel derjenigen, die akut von Armut betroffen sind. Auch von denen, die Bafög beziehen, bleibt die Hälfte weiterhin arm. Die neuesten Bafög-Erhöhungen ändern daran nichts: Sie decken nicht einmal aktuelle Inflationsrate.

Helene versucht überall zu sparen: Außer einer Krankenversicherung hat sie keine Versicherungen, sie erbt die Kleidung ihrer Geschwister und Urlaub ist für sie nicht drin. Moritz geht es ähnlich. Er ist Regie-Student in Hamburg und erzählt, dass er im Supermarkt meist nur zu den Discounter-Produkten greift.

"Ich hab gemerkt, dass es sich in mein Denken reinfrisst - dass selbst, wenn ich gerade genug Geld hätte, ich dauerhaft damit rechne, dass die nächste Katastrophe schon wartet."
Moritz, Student

Diese finanzielle Belastung und die Sorge um den Lebensunterhalt wirken sich bei beiden auf ihr Studium und ihre psychische Gesundheit aus. Selbst wenn das Geld gerade einmal für den Monat reicht, haben sie Angst vor ungeplanten Kosten. Helene benötigt ein neues Bett, doch das kann sie sich nicht leisten.

Hinzu kommt die Ungleichheit. Während andere Kommilitonen in Ruhe lernen können, weil sie genug Unterstützung von Zuhause bekommen, arbeiten fast 75 Prozent aller Studierenden in einem Nebenjob. Noch schwieriger wird es in der Übergangsphase von Studium zum Job: Der Weg führt an unbezahlten Praktika kaum vorbei.

"Für mich ist die Aussicht darauf, später Akademikerin zu sein, gar nicht so erleichternd."
Helene, Studentin

Die Armut während des Studiums wird mit dem Argument relativiert, dass es sich dabei nur um eine temporäre Armut handelt. Doch Studierende wie Helene haben nur wenig Hoffnung, dass sich nach dem Studium etwas ändert. Denn unbezahlte Praktika, Hospitanzen oder gering vergütete Fortbildungen werden oft für den Jobeinstieg vorausgesetzt.

Student Moritz sieht die Politik in der Verantwortung, Chancenungleichheit innerhalb der Studierenden zu schaffen. Er sagt: Armut führt nachweislich zu psychischen und physischen Schäden und sorgt dafür, dass ein großer Teil der Bevölkerung weniger produktiv sein kann. Es wäre also im Sinne der Politik, die Studierenden besser zu unterstützen.

  • Autorin:  Lea Marlen Balzer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin