Die Honigbiene ist ein wichtiges Nutztier in Deutschland. Forschende befürchten, dass sie sich negativ auf den Bestand von Wildbienen auswirken könnten, wenn ihre Stöcke in der Nähe von Naturschutzgebieten aufgestellt werden.

Insektenforscher Thomas Hörren, Masterand und Mitarbeiter in der Aquatischen Ökologie der Universität Duisburg-Essen, befürchtet, dass sich Honigbienen negativ auf wilde Bienenarten oder andere Insekten auswirken können, wenn ihre Stöcke in der Nähe von Naturschutzgebieten aufgestellt werden. Denn dort, sagt er, leben die letzten einiger vom Aussterben bedrohter Insekten. Er befürchtet, dass die Honigbienen den anderen Insektenarten Pollen und Nektar wegfressen – und diese dann aussterben.

"Die anderen kleinen Insekten haben nicht die Fitness sich auf der Blüte gegen eine Honigbiene durchzusetzen."
Insektenforscher Thomas Hörren über Honigbienen in der Nähe von Naturschutzgebieten

"Wenn jemand Bienenstöcke dort hinstellt, sind dort Hunderttausende große Honigbienen, die leicht alle Blüten aufsuchen können", sagt er. "Die anderen kleinen Insekten haben aber nicht die Fitness, sich auf der Blüte gegen eine Honigbiene durchzusetzen."

Forschende nennen das nahrungsökologische Konkurrenz. Insektenforscher Thomas Hörren würde sich wünschen, dass geregelt ist, wie viel Abstand die Bienenvölker zu Schutzgebieten halten müssen.

Honigbienen sind Alles-Fresser, Wildbienen sind Gourmets

Die Biologin Marina Meixner vom Bieneninstitut Kirchhain sieht das etwas anders: "Ich würde nicht sagen, dass Honigbienen auf keinen Fall in Naturschutzgebiete dürfen", sagt sie. "Es ist nicht auszuschließen, dass sie dann auch mal an einer Pflanze sammeln, an die auch eine spezialisierte Biene hingeht. Aber sie werden die Felder niemals komplett leerräumen.“

Die Biologin geht davon aus, dass Naturschutzgebiete als Futterquelle für Honigbienen überhaupt nicht so interessant sind. Denn sie sind Alles-Fresser und nicht auf Pollen und Nektar von bestimmten Blumen angewiesen.

Bei den Wildbienen sieht es futtertechnisch anders aus. Etwa ein Viertel der hier heimischen Arten brauchen bestimmte Pflanzen, an denen sie Pollen sammeln können. Wenn die aber schon von Honigbienen geplündert wurden, könnte es für diese Arten eng werden.

Bislang gibt es ein paar kleine Studien, die Konkurrenzfälle um Futter untersuchen. Doch um wirklich sagen zu können, wie stark einer nahrungsökologischen Konkurrenz zwischen Bienen und anderen Insekten zu Futterknappheit bei Letzteren führt, muss noch mehr geforscht werden.

  • Moderatorin:  Jenni Gärtner
  • Gesprächspartnerin:  Marie Eickhoff, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin