Viele Menschen wollen Gutes tun und stecken viel Arbeit in den Bau von Insektenhotels. Wir erklären, was sie wirklich was bringen und verraten, welche Tiere da einziehen.

Mit den langsam steigenden Temperaturen beginnen auch die Pflanzen zu wachsen und das ein oder andere Insekt schwirrt schon herum. Viele Menschen wollen den kleinen Tierchen helfen, indem sie Insektenhotels in ihren Gärten und auf ihren Balkonen aufstellen.

Da es Insekten insgesamt gesehen nicht sonderlich gut geht, denken einige, dass die Hotels eine gute Sache für den Artenschutz der Tiere sind. Andere hingegen behaupten, dass sie nur toll für uns Menschen, nicht aber für die Insekten selbst sind.

"Ein gutes Insektenhotel bietet einigen auch gefährdeten Arten einen guten Platz, in dem der Nachwuchs wächst und gedeiht."
Deutschlandfunk-Nova-Redakteurin Verena von Keitz über Insektenhotels

Deutschlandfunk-Nova-Redakteurin Verena von Keitz meint, dass "vernünftige Insektenhotels" für einige Arten sehr gut sein können. Es geht nicht darum, dass die Hotels für uns schön aussehen, sondern, dass sie für die Tiere einladend sind.

Gefährlich sind sie dann, wenn beispielsweise die Röhren zu groß sind, oder sich die Tiere daran verletzen können. Besonders wichtig ist das, weil die Unterkünfte für den Nachwuchs der Tiere wichtig sind. "Es sind nicht die erwachsenen Tiere, die in den Insektenhotels leben. Sie nutzen die, um in den Röhrchen und Stängeln ihre Eier abzulegen", sagt Verena von Keitz.

Wenn wir ein Insektenhotel aufstellen wollen, sollten wir deshalb nicht einfach loslegen, sondern erst einmal Informationen sammeln. Gute Anlaufstellen dafür sind beispielsweise die Naturschutzverbände Nabu oder BUND. Dort lassen sich auch Anleitungen für DIY-Insektenhotels finden.

Nur wenige Arten ziehen in die Insektenhotels ein

Dass Insektenhotels in der Kritik stehen, hat einen anderen Grund, erklärt Verena von Keitz. "Das Insektensterben hat vor allem damit zu tun, dass der Lebensraum insgesamt und vor allem das Nahrungsangebot für Insekten immer karger und kleiner wird", sagt sie.

"Das liegt an der Versiegelung von Böden, durch industrielle Monokulturen in der Landwirtschaft, an Pestiziden und an zu 'aufgeräumten' Gärten und Grünanlagen mit exotischen Pflanzenarten, die keinen Nektar produzieren", so die Deutschlandfunk-Nova-Redakteurin.

"Auch wenn man ein Insektenhotel kauft und weiß, es ist ein richtig gut gebautes vom Nabu oder BUND, dann ist es trotzdem so, nach unseren Daten, dass nur sieben Prozent der Wildbienenarten überhaupt drin nisten."
Landschaftsökologin Alexandra Klein über die Nutzung von Insektenhotels

Hinzu kommt, dass Insektenhotels bei den Tieren selbst nicht so beliebt sind, wie einige von uns vielleicht denken mögen. Das liege daran, dass viele Arten ihren Nachwuchs an anderen Orten aufwachsen lassen, sagt Alexandra Klein. Sie ist Professorin für Naturschutz und Landschaftsökologie an der Uni Freiburg und forscht schon lange zu Wildbienen.

Was wir statt Insektenhotels für den Artenschutz machen können

Ganz einfach lasse sich Wohnraum für Insekten mit ein paar Brombeer- oder Himbeerästen schaffen, sagt Alexandra Klein. "Die Äste dafür einfach in circa 15 Zentimeter lange Stückchen schneiden, zusammenbinden und dann einfach auf den Balkon oder in den Garten hängen oder legen", erklärt sie. "In der Regel zieht da immer irgendwer ein – wer genau, das hängt davon ab, ob der Standort schön sonnig ist oder eher etwas feuchter und kühler."

Viele Bienenarten nisten auch in der Erde, andere nehmen lieber Baumkronen als Hort, oder Holz. Doch egal welchen Wohnort die Insekten bevorzugen, wichtig ist vor allem immer, dass sie genügend Snacks in der nahen Umgebung finden. "Das können wir unterstützen, indem wir in der Umgebung Saatmischungen von heimischen Blühpflanzen aussäen, im Garten, auf dem Balkon – oder auch auf dem Beet eines Straßenbaums oder auf Randstreifen" sagt Verena von Keitz.

Wildbienenforscherin Alexandra Klein findet Insektenhotels trotzdem sinnvoll. "Wir tun damit nur einen ganz, ganz kleinen Teil, aber trotzdem würde ich sagen: Besser man hat Insektenhäuser, als dass man überhaupt gar nichts macht", sagt sie. "Wir finden so immer noch Arten, wir fördern damit einige Arten, und wir machen damit darauf aufmerksam, dass der Bestand vieler Insekten zurückgeht und sagen, was man dagegen tun kann."

  • Moderatorin:  Jenni Gärtner
  • Gesprächspartnerin:  Alexandra Klein, Professorin für Naturschutz und Landschaftsökologie an der Universität Freiburg
  • Gesprächspartnerin:  Verena von Keitz, Deutschlandfunk-Nova-Wissensredakteurin