Wer im Supermarkt Fleisch kaufen möchte, kann sich zwischen den Haltungsstufen 1, 2, 3 und 4 entscheiden – eigentlich. Doch Haltungsstufe 3 ist nur selten zu finden, obwohl sie ein guter Kompromiss zwischen konventioneller und biologischer Tierhaltung wäre.

Ein verbindliches staatliches und staatlich kontrolliertes Gütesiegel für Fleischprodukte gibt es in Deutschland nicht. Stattdessen hat der Handel selbst vor gut zwei Jahren die Haltungsstufen 1, 2, 3 und 4 eingeführt. So soll den Verbraucherinnen und Verbrauchern die Unterscheidung zwischen Fleisch aus besserer Tierhaltung und Fleisch aus Massentierhaltung erleichtert werden.

Im Supermarkt haben Verbraucherinnen und Verbraucher meist aber gar nicht die komplette Auswahl: 87 Prozent des Fleischangebots in Supermärkten entspricht den Haltungsstufen 1 und 2. Haltungsstufe 4, also Biofleisch, macht zehn Prozent aus. Haltungsstufe 3 findet man nur zu drei Prozent. Dabei wäre Stufe 3 ein guter Kompromiss zwischen biologischer und konventioneller Haltung, sagt Britta Schautz vom Verbraucherzentrale Bundesverband.

Mehr Platz, mehr Auslauf

Ihrer Meinung nach gehe es den Tieren zu Lebzeiten in der Haltungsstufe 3 deutlich besser als in den Stufen 1 und 2. Das zeige auch das Beispiel der Hühnerhaltung: Bei Stufe 1 müssen sich 26 Hühner einen Quadratmeter teilen, bei Stufe 3 sind es dagegen nur 13 Hühner auf einem Quadratmeter. Zudem haben die Hühner bei Stufe 3 Auslauf und sehen Tageslicht, erklärt Britta Schautz.

"Beim gesetzlichen Mindeststandard, Stufe 1, leben 26 Hühner auf einem Quadratmeter. Wenn wir jetzt in Stufe 3 gucken, da teilen sich 13 Hühner einen Quadratmeter, also genau die Hälfte."
Britta Schautz, Verbraucherzentrale Bundesverband

Meistens handelt es sich bei Stufe 3 um Fleisch, das nach den sogenannten Neuland-Standards produziert wird. Auf die Tierhaltung bezogen sind diese in einigen Punkten sogar noch strenger als bei der biologischen Haltung, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anja Nehls.

Für Schweine darf es beispielsweise keinen Spaltenboden geben. Der teure Preis bei Fleisch aus biologischer Haltung kommt unter anderem daher, dass das Futter extra biozertifiziert sein muss.

Stufe 3 bedeutet oft: größere Investitionen

Fleisch aus Haltungsstufe 3 ist also billiger als Biofleisch, erfüllt aber fast die gleichen Standards. Warum gibt es also trotz der Attraktivität für die Verbraucherinnen und Verbraucher so wenige Fleischprodukte aus Haltungsstufe 3? Der Schritt von Stufe 2 auf Stufe 3 sei für viele Betriebe zu groß, sagt Britta Schautz.

Um von Stufe 1 auf Stufe 2 zu wechseln, müssen die Betriebe den Tieren lediglich zehn Prozent mehr Platz und ein wenig Beschäftigungsmaterial, wie beispielsweise Kaustangen aus Holz für Schweine zur Verfügung stellen. Bei Stufe 3 müsse man den Tieren dagegen Außenklima und Tageslicht bieten – beispielsweise in Form eines Stalls mit einer offenen Front. Doch das würde für viele Betriebe bedeuten, dass sie ihre Ställe umbauen müssen.

"Stufe 3 ist natürlich schwieriger zu bewerkstelligen, denn ich müsste meinen Stall wirklich umbauen. Wenn ich die Stufe 2 erreichen will, dann reicht es schon, einfach weniger Tiere in den Stall zu stellen."
Britta Schautz, Verbraucherzentrale Bundesverband

Damit sich Betriebe diesen Schritt trauen, müsse der Handel den Landwirten eine Absicherung geben und ihnen beispielsweise zusichern, dass er ihre Produkte für einen bestimmten Zeitraum kaufen werde, sagt Britta Schautz. Von Verbraucherseiten sehe Britta Schautz hier keine Zweifel: Das Interesse an Fleisch aus besserer Haltung sei da.

Die Nachfrage nach Fleisch aus guter Haltung ist da

Das bestätigt auch Katrin Wenz vom Bund für Umwelt und Naturschutz. Gerade jetzt in der Corona-Pandemie, wo Restaurants geschlossen sind, würden die Menschen wieder mehr kochen und daher auch wieder mehr Fleisch selbst kaufen – und dabei oft zu Fleisch aus besserer Haltung greifen.

"Also wenn die Menschen das selber entscheiden müssen, dann greifen sie zu Fleisch aus besserer Haltung und zu ökologisch produzierten Lebensmitteln."
Katrin Wenz, Bund für Umwelt und Naturschutz

Sie fordert deshalb mehr Geld zur Förderung besserer Tierhaltung. Dass der Anteil von Fleisch aus den Haltungsstufen 3 und 4 in Zukunft wächst sei erst einmal nicht zu erwarten, lautet die Prognose von Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anja Nehls.