"Bei manchen Symptomen ist es das Beste, nichts zu tun", sagt der Arzt Jan Schweitzer, der das Buch "Fragen Sie weder Arzt noch Apotheker" geschrieben hat. Er empfiehlt: Weniger zum Arzt gehen und mehr auf sein Körpergefühl hören.

Für alle die, die sowieso lieber wochenlang Schmerzen haben, statt zum Arzt zu gehen, ist dieser Ratschlag vermutlich überflüssig. Aber es gibt ja auch die, die ständig im Wartezimmer sitzen, auch beim kleinsten Schnupfen oder mit einer angeblichen Krankheit sogar in die Notaufnahme rennen.

Nicht ständig zum Arzt laufen

Ragnhild und Jan Schweitzer, beide ausgebildete Ärzte, heute Journalisten, haben dazu ein Buch geschrieben mit dem Titel "Fragen Sie weder Arzt noch Apotheker - warum Abwarten oft die beste Medizin ist."

Damit ist ihre Kernbotschaft klar: Nicht ständig zum Arzt laufen, und schon gar nicht zum Beispiel bei einer Erkältung Antibiotika verschreiben lassen.

"Man sollte mehr Vertrauen in sich selbst haben. Das ist nicht einfach, das muss man sich vielleicht auch antrainieren. Das lohnt sich aber oft, weil jeder Gang zum Arzt zu Komplikationen führen kann."
Jan Schweitzer, Buchautor und Arzt

Jan Schweitzer sieht ein großes Problem darin, dass Ärzte Medikamente verschreiben, obwohl keine nötig wären. "Dafür sind beide verantwortlich", sagt Schweitzer, "der Arzt und der Patient selbst."

Zum einen hätte der Arzt oft nicht viel Zeit und muss schnell eine Therapiemethode vorschlagen, er könne nicht ein ausführliches, aufklärendes Gespräch mit dem Patienten führen. Der wiederum verlangt, dass irgendwas unternommen wird, wenn er sich schon zum Arzt begeben hat. "Der Patient ist enttäuscht, wenn der Arzt sagt: Da machen wir erstmal nichts."

"Das Tun hat ein viel besseres Image als das Abwarten."
Jan Schweitzer, Buchautor und Arzt

Auch bei Operationen rät Jan Schweitzer zu einer kritischen Überprüfung: Ist die OP wirklich nötig und sinnvoll? Manchmal würden Ärzte Operationen durchführen, obwohl sie wissen, dass sie vielleicht nicht angebracht und schwierig ist. Schweitzer: "Sie denken von sich aber: Ich kann das. Deshalb raten sie Patienten dazu."

Anderes Beispiel: Vorsorge-Untersuchungen. Manchmal findet der Arzt im großen Blutbild einen auffälligen Wert, der sich, so Schweitzer, womöglich nach fünf Wochen wieder normalisiert hätte. Trotzdem aber führt der Wert dazu, dass der eigentliche gesunde Mensch plötzlich zum Patienten wird.

Der Rat von Schweitzer: Bei einem eventuellen Arztbesuch sich selbst fragen, ob man in einer Woche zurückblickt und sagt "der Besuch beim Arzt war eigentlich nicht nötig". Oder andersherum: "Gut, dass ich da war."

Operationen bringen Geld

Ein anderer einfacher Grund ist das Geld. Manche Krankenhäuser sind unter großem wirtschaftlichen Druck. Jan Schweitzer: "Unter der Hand erzählen Ärzte, dass sie von der Krankenhausleitung die Vorgabe bekommen, wie viele Operationen jeden Monat durchgeführt werden müssen."

Nicht immer abwarten!

Jan Schweitzer weist ausdrücklich darauf hin: Menschen, die in Sorge sind, starke oder schnell zunehmende Schmerzen haben, oder denen etwas ungewöhnlich vorkommt, sollten unbedingt direkt zum Arzt gehen und nicht abwarten.