In Deutschland werden angehende Ärzte nur auf ihr Fachwissen geprüft. Der Vorsitzende der Bundesärztekammer fordert nun: Wir sollten auch testen, wie gut sie mit Menschen umgehen können.

"Wir brauchen Assessment-Center, in denen die Medizin-Studenten ausgewählt werden. Dort sollten fachliche und menschliche Voraussetzungen für den Arztberuf geprüft werden." So zitiert die Zeitung "Rheinische Post" den Vorsitzenden der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery.

Assessment-Center für Ärzte? Was soll da denn geprüft werden?

Das ist nicht ganz einfach zu bestimmen, sagt Notfallmediziner Johannes Wimmer. Trotzdem: Er hält die Forderung für sinnvoll. Denn als Arzt sei der menschliche Umgang mit dem Patienten sehr wichtig. "Für das medizinische Wissen muss man kein Genie sein", sagt Johannes, "im Studium muss man einfach ackern und sich alles reinquetschen."

Erklären können

Empathie für den Patienten zeigen. Ihnen das Gefühl geben, dass ihre Sorgen ernst genommen werden. Erklären, was es mit einer Krankheit auf sich hat. Das sind Fähigkeiten, die zukünftige Ärzte im Medizinstudium nicht unbedingt lernen. Johannes Wimmer plädiert dafür, festzulegen, welche Eigenschaften ein Arzt generell haben soll. Und dann müsse überlegt werden, wie man diese Eigenschaften lehrt und prüft.

"Dieser Test ist brutal hart."
Johannes Wimmer, Notfallmediziner

In den USA gibt es ein System, das in diese Richtung geht: Angehende Ärzte müssen in einer Prüfung nachweisen, dass sie unter Druck Patienten behandeln und dabei bestimmte Kriterien einhalten können. Zwölf Schauspieler simulieren eine Krankheit. Der angehende Arzt muss sie behandeln und dabei zum Beispiel Augenkontakt halten und sich mindestens dreimal empathisch äußern. Wer das einmal vergisst: durchgefallen. "Dieser Test ist brutal hart", sagt Johannes Wimmer.

"Manche sagen, man solle so bleiben, wie man ist. Ich sehe das anders: Medizin ist auch eine Dienstleistung, und die habe ich an dem Menschen, dem es schlecht geht, zu erbringen."
Johannes Wimmer, Notfallmediziner

Da es einen solchen Test in Deutschland nicht gibt, ist auch noch nicht klar, wie genau er hier aussehen würde. Auch würden Praktikabilität und Kosten eine Rolle spielen.