Nach Berichten über Blutgerinnsel, die durch den Impfstoff Astra-Zeneca entstanden sein sollen, haben mehrere Länder die Impfung damit unterbrochen. Grund zur Sorge sollte es allerdings nicht geben, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Matthias Wurms.

Dänemark, Norwegen, Island und noch weitere Länder haben die Impfungen mit Astra-Zeneca vorerst gestoppt. Denn es gab Berichte darüber, dass mehrere Menschen nach den Impfungen Blutgerinnsel entwickelt hatten, in Dänemark ist ein Mensch sogar daran gestorben.

Ein Zusammenhang mit den Blutgerinnseln und dem Impfstoff von Astra-Zeneca könne laut dem Science Media Center nach ersten Prüfungen nicht gefunden werden. Wahrscheinlicher ist es, dass die Blutgerinnsel durch Zufall kurz nach der Impfung entstanden sind, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Matthias Wurms.

"Es ist nämlich völlig unklar, ob diese Blutgerinnsel wirklich ursächlich mit der Impfung zu tun haben. Viel wahrscheinlicher ist, dass sie nur zufällig kurz danach entstanden sind."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Ein paar Zahlen zur Verdeutlichung: Die Europäische Arzneimittelbehörde hat bei den ersten knapp fünf Millionen Geimpften nur 30 Thrombose-Fälle registriert. In Deutschland entwickeln von fünf Millionen Menschen pro Jahr bis zu 15.000 eine Thrombose.

Gefährlich werden Thrombosen immer dann, wenn sie große Gefäße verstopfen. Wenn dadurch dann die Blutzufuhr zur Lunge oder zum Herzen blockiert wird, wird es extrem gefährlich. Insgesamt gibt es in Deutschland jedes Jahr 100.000 Todesfälle aufgrund von solchen thromboembolischen Ereignissen. Das ist damit die dritthäufigste Todesursache.

Öffentlicher Druck war im Spiel

Matthias Wurms findet es nicht richtig, dass viele Länder nun die Impfungen mit Astra-Zeneca unterbrechen. Er habe den Verdacht, dass hier vor allem der öffentliche Druck eine große Rolle spiele. Denn die Corona-Impfungen werden sehr genau beobachtet, alle möglichen Nebenwirkungen, die dabei auftreten, werden diskutiert – auch wenn sie rein zufällig entstanden sind.

"Ich habe den Verdacht, dass da viel öffentlicher Druck im Spiel ist. Die Impfungen werden ja genau beobachtet, also auch alle möglichen Nebenwirkungen oder Probleme, die dabei auftreten – auch wenn sie rein zufällig sind."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Dass Impfungen Spuren hinterlassen, wie beispielsweise Fieber oder Kopfschmerzen für ein paar Tage, ist grundsätzlich normal. Denn das Immunsystem soll ja auf den Impfstoff reagieren und Antikörper gegen das Virus entwickeln.

Gefährliche Panikmache

Da es sich hier aber auch um einen Todesfall handelt, beobachten die Forschenden den Fall trotzdem und wollen ihn genauer untersuchen. Einen Grund die Impfungen zu unterbrechen, sieht die Forschung aber nicht.

Im Gegenteil: Der Leiter der Spezialeinheit für hochansteckende Infektionen am Klinikum München-Schwabing, Clemens Wendtner, sagt, dass das nur Unsicherheit schüre, die nicht gerechtfertigt sei und sogar gefährlich sei. Dabei verweist Wendtner auf Großbritannien, wo bereits elf Millionen Dosen von Astra-Zeneca verimpft wurden und es bisher keine relevanten Sicherheitsbedenken gibt.

Impfungen in Deutschland nicht ausgesetzt

In Deutschland gibt es laut dem Paul-Ehrlich-Institut, das Impfstoffe auf Sicherheit prüft, bisher keine Hinweise auf einen Todesfall, der durch eine Astra-Zeneca-Impfung ausgelöst wurde. Bis gestern wurden in Deutschland elf Thrombose-Fälle nach einer Impfung gemeldet, von denen vier Betroffene verstorben sind. Das sind aber immer noch deutlich weniger als im Durchschnitt auch ohne Impfung eine tödliche Thrombose erleiden, betont Matthias Wurms.

Das Paul-Ehrlich-Institut warnt deshalb auch, dass es auf jeden Fall gefährlicher sei, sich nicht impfen zu lassen. Denn von allen Patientinnen und Patienten, die an Covid-19 erkranken, entwickeln sogar 15 Prozent Thromboembolien. Das Risiko, eine Thrombose durch eine Covid-19-Erkrankung zu entwickeln, ist also vielfach größer, als wenn man sich impfen lässt.

"Von allen Patientinnen und Patienten, die an Covid-19 erkranken, entwickeln sogar 15 Prozent Thromboembolien – das Risiko ist also um ein mehrere hundertfaches größer als wenn man sich impfen lässt."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Gerade der Impfstoff von Astra-Zeneca schützt zu fast 100 Prozent, wenn es darum geht, schwere Verläufe von Covid-19 zu verhindern, wie Studien in Großbritannien gezeigt haben. Das schlechte Image hat der Impfstoff also zu unrecht erhalten, sagt Matthias Wurms.