Nach wie vor kommen viele Nordafrikaner auf der Suche nach einer besseren Zukunft nach Deutschland. Vor allem für junge Menschen ist die wirtschaftliche Lage in Marokko, Tunesien oder Algerien schwierig, berichtet unser Korrespondent Jens Borchers.

Gleich vier deutsche Politiker reisen in diesen Tagen durch Marokko, Algerien und Tunesien. Ihr Ziel unter anderem: Wege finden, wie die nordafrikanischen Mittelmeerländer wirtschaftlich und innenpolitisch stabilisiert werden können. Denn nach wie vor kommen viele Nordafrikaner auf der Suche nach Asyl und einem besseren Leben nach Deutschland. Doch die Bundesregierung will die Maghreb-Staaten mittelfristig als "sichere Herkunftsländer" einstufen - damit hätten Bürger aus diesen Staaten kaum noch Aussicht auf Asyl in Deutschland.

Schnellere Abschiebungen und Entwicklungshilfe

Auf einer Reise durch Nordafrika möchte Bundesinnenminister Thomas de Maizière mit den dortigen Staatsführern über vereinfachte Abschiebungen von Bürgern aus Marokko, Tunesien und Algerien sprechen - aus Deutschland zurück in deren Heimatländer. Entwicklungshilfeminister Gerd Müller verhandelt im Gegenzug über mögliche Unterstützung aus Deutschland, um die schwierige wirtschaftliche Situation in den nordafrikanischen Mittelmeerländern zu verbessern.

Keine Perspektive in Tunesien oder Marokko

Auch wenn regionale Unterschiede zwischen Tunesien, Marokko und Algerien bestehen - richtig gut geht es der Wirtschaft in keinem dieser Länder, berichtet unser Korrespondent Jens Borchers. "Die Arbeitslosigkeit in Tunesien liegt bei 15 Prozent, in Algerien bei zwölf und in Marokko bei etwa zehn Prozent." Junge Nordafrikaner seien noch stärker von Arbeitslosigkeit betroffen - und suchten unter anderem deshalb oft im Ausland nach besseren Zukunftsperspektiven.

"Junge Nordafrikaner haben Schwierigkeiten, für sich eine echte Perspektive auf dem Arbeitsmarkt zu finden."
Jens Borchers, Korrespondent für Nordafrika

In Marokko und Tunesien gehen manche schon dazu über, ihre Diplome zu verkaufen - wobei es auch mit Studienabschluss schwierig sei, einen Job zu finden: "Viele klagen außerdem darüber, dass man Jobs nur über Beziehungen bekommt." Korruption sei in den Maghreb-Staaten ein schwerwiegendes Problem, das auch ausländische Investoren abschrecke. Genauso wie die unsichere sicherheitspolitische Lage - vor allem nachdem Tunesien im vorigen Jahr von schweren Terroranschlägen erschüttert wurde.

Repressive Politik

Auch in der Schulbildung gebe es große Defizite - ein Bereich, in dem Deutschland bereits Hilfe angeboten habe, wie Jens Borchers berichtet: Man könne zum Beispiel dabei helfen, Ausbildungsgänge für Jugendliche zu konzeptionieren und finanzieren. Mehr Jobs würden dadurch allerdings nicht geschafft. Außerdem gebe es neben der schwierigen Wirtschaftssituation auch noch andere Gründe, aus denen junge Nordafrikaner ihre Heimat verlassen wollen, erklärt Jens Borchers: "In Marokko und Tunesien etwa ist Homosexualität strafbar."