Im Profisport gibt es fast so viele Athletinnen wie Athleten. Erforscht werden die Sportlerinnen allerdings deutlich seltener: Für Studien knöpfen sich Wissenschaftler lieber die Männer vor. Nur 39 Prozent der Studien beschäftigen sich mit Frauen. Schuld sind die Hormone.

Wir wissen zu wenig über Sportlerinnen. Das schreibt ein britisches Forscherteam in einem Fachmagazin festgestellt: Wenn es in einer Forschung um den Sportlerkörper geht, ist es für Sportmediziner erstmal einfacher und bequemer, Athleten für ihre Studien zu nehmen. Der Gedanke dahinter: Der hormonelle Zyklus der Frauen hat Einfluss auf die Forschungsergebnisse - und das sind Störfaktoren, die eine Analyse schwierig und teuer machen.

Die selbe Untersuchung, immer zur selben Uhrzeit

Die Freisetzung von Hormonen folgt dabei der Periode der Frau in einem täglichen Rhythmus. Der Sportmediziner Hans-Georg Predel von der Deutschen Sporthochschule in Köln erklärt: "Bestimmte Hormone werden zu bestimmten Tageszeiten stärker von den jeweiligen Drüsen freigesetzt oder hormonproduzierenden Zellen." Die Ergebnisse einer Untersuchung können sich also unterscheiden, wenn sie mal um 12 Uhr, mal um 18 Uhr erhoben werden.

"Wenn ich eine Athletin über einen Zeitraum von zwölf Monaten untersuchen wollte und jeweils die Einflüsse des hormonellen Zyklus analysieren möchte, dann müsste ich diese Untersuchung exakt immer wieder zum selben Tageszeitpunkt durchführen."
Hans-Georg Predel von der Deutschen Sporthochschule Köln

Zwar gibt es verschiedene methodische Herangehensweisen für solche Studien, aber wenn ein Wissenschaftler eine Langzeitstudie mit einer Athletin erstellen will, muss er sich strikt an einen engen Zeitplan halten. Hinzu komme der Einfluss des Trainings und der Ernährung auf den hormonellen Zyklus der Sportlerin.

Männer sind kein brauchbarer Ersatz

Um diese ganzen Probleme zu umschiffen, werden also lieber Männer untersucht. Aber die britischen Forscher betonen in ihrer Untersuchung: Männer sind kein brauchbarer Studienersatz für Frauen. Frauen reagieren zum Beispiel oft ganz anders auf Medikamente als Männer, erklären sie. Es sei sogar wahrscheinlich, dass sie doppelt so häufig an Nebenwirkungen leiden. Durch den Mangel an Studien wissen wir zu wenig über den weiblichen Körper und wie sich der Menstruationszyklus auswirkt. Gerade auch bei Sportlerinnen wäre dieses Wissen wichtig.