"Hier liegt gefährlicher radioaktiver Abfall. Auf keinen Fall graben oder bohren." Mit dieser Inschrift sollen Steinblöcke Menschen in der Zukunft vor Atommüll-Endlagern warnen. Wie Wissen über Hunderttausende Jahre weitergegeben werden kann, das erforscht die Atomsemiotik, damit zukünftige Generationen vor unserem Atommüll sicher sind.

Aktuell sprechen wir viel über Orte, die sich geologisch als Endlager für Atommüll eignen. Dort soll radioaktiver Müll für eine Million Jahre sicher aufbewahrt werden. Sicher zumindest für uns. Es stellt sich allerdings die Frage, wie wir Menschen in der weit entfernten Zukunft deutlich machen können, dass an Standort X hochgiftiger Müll lagert und sie dort zum Beispiel nicht bohren sollten.

Kommunikation mit der Zukunft

Mit dieser Frage beschäftigt sich die wissenschaftliche Disziplin der Atomsemiotik seit den 1980er-Jahren. Denn: Aus heutiger Sicht ist kaum absehbar, ob die Menschen in 10.000, 100.000 Jahren oder mehr unsere Sprache verstehen oder überhaupt wissen, was Atommüll ist. Die aktuellen Erkenntnisse über Atomkraft und den verbleibenden Müll könnten beispielsweise durch Kriege oder Naturkatastrophen in Vergessenheit geraten.

"Wenn uns ein Mensch aus der Steinzeit eine Botschaft hätte übermitteln wollen, würden wir die heute wahrscheinlich auch nicht mehr verstehen – und hier geht es erst um mehrere Tausend Jahre, nicht um eine Million."
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk Nova

In der Vergangenheit haben die Forschenden der Atomsemiotik etwa überlegt, Katzen zu züchten, dessen Fell sich bei radioaktiver Strahlung verfärbt. Diese Katzen sollten den nachfolgenden Generationen als Warnhinweis dienen.

Mit Symbolen warnen

Andere Ansätze haben auf universelle Symbole wie Totenköpfe gesetzt oder comicähnliche Zeichnungen wie die Wandmalereien in den Pyramiden Ägyptens. Das Problem: Die Neugier der Menschen aus der Zukunft könnte gerade durch solche Symbole getriggert werden, erklärt Archäologe Cornelius Holtorf. Er forscht zum Thema Atomsemiotik und weiß, dass Archäologen bei den ersten Untersuchungen der Pyramiden des alten Ägyptens ebenfalls Warnhinweise ignoriert haben, um die Pyramiden zu erkunden.

"Damals ging man davon aus, dass die Botschaft, die man über Hunderttausende von Jahren vermitteln muss, dass die darin besteht, Menschen zu warnen, zu graben."
Cornelius Holtorf, Archäologe

Nach dem heutigen Stand der Forschung ist daher Redundanz von Hinweisen und Information gleichermaßen entscheidend, wenn es um zukunftssichere Warnbotschaften geht. Das Wissen kann zum Beispiel in Büchern und auch digital archiviert werden. Weil die allerdings zum Beispiel durch Brände zerstört werden könnten, schlagen Forschende vor, gleichzeitig mit großen Steintafeln vor dem Atommüll zu warnen.

Wissen weitergeben und Hinweise aufstellen

Im US-amerikanischen New Mexico sollen zum Beispiel acht Meter große Gesteinsblöcke auf ein unterirdisches Endlager hinweisen, das gerade noch in Planung ist. Auf diesen Steintafeln soll eine Inschrift in sieben Sprachen über den radioaktiven Abfall informieren und dort vor Grabungen oder Bohrungen warnen.

Neben Warnbotschaften ist auch die Weitergabe von Wissen von einer Generation zur nächsten entscheidend, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Johannes Döbbelt. Das kann in Form von Schulunterricht passieren, aber auch mithilfe von jährlichen Gedenktagen, die das Wissen über ein Ritual weitergeben.