Am 13. Februar 1960 um 7:04 Uhr explodierte in der Sahara Algeriens eine Atombombe mit einer Kraft drei bis viermal so stark wie die von Hiroshima. Frankreich wurde damit zur Atommacht - und hat sich bis heute nicht entschuldigt.

"Blaue Wüstenspringmaus" wurde die Operation von der französischen Regierung genannt. Und es blieb nicht bei dieser einen Explosion 1960. In den 60er-Jahren gab es in der Wüstenregion Algeriens insgesamt 17 Atombombentests, oberirdisch und unterirdisch. Für viele Algerier ist das "ein ungesühntes Unrecht aus der Kolonialzeit", sagt Dunja Sadaqi, ARD-Korrespondentin für Nordwestafrika.

Nicht genügend Aufklärung

Ein großer Vorwurf der Bevölkerung, die in der betroffenen Region damals lebte, war und ist bis heute, dass sie nicht genügend über die Gefahren und Risiken aufgeklärt wurden.

"Der Vorwurf der Algerier war: Die Menschen wurden damals nicht ausreichend informiert."
Dunja Sadaqi, ARD-Korrespondentin für Nordwestafrika

Der größte Vorwurf an die französische Regierung lautet jedoch, dass sie das Testgebiet als unbewohnt deklariert hatte. Doch das stimmte so nicht: Viele Nomaden und Dorfbewohner lebten in diesem Gebiet, die nächstgrößere Stadt war ebenfalls nur 65 Kilometer vom Explosionsort entfernt.

Schäden bis heute spürbar

Neben den französischen Soldaten und anderen Beteiligten an den Tests litt vor allem die algerische Bevölkerung darunter – und tut es bis heute. Die Strahlung des Plutoniums hat nämlich eine Halbwertszeit von über 24.000 Jahren. Durch die Wolken, die nach dem Test in alle Richtungen wehten, wurden die radiokativen Stoffe großflächig verteilt.

"Das Problem war, dass die radioaktiven Wolken, die bei dem Test entstanden in alle Richtungen wehten."
Dunja Sadaqi, ARD-Korrespondentin für Nordwestafrika

Viele Krebserkrankungen und Missbildungen bei Neugeborenen tauchen laut Betroffenenvertretern damals wie heute überdurchschnittlich häufig auf.

"Betroffenenvertreter berichten von starken gesundheitlichen Schäden bis heute. Auch bei den Nachkommen dieser Menschen, die damals in der betroffenen Region gelebt haben."
Dunja Sadaqi, ARD-Korrespondentin für Nordwestafrika

Die Schäden für die Umwelt nach der Explosion waren ebenfalls enorm. Viele Tiere erkrankten und starben. Auf den Dattelplantagen gingen viele Bäume kaputt, was bis heute ein Problem ist.

Algerier warten auf Entschuldigung und Entschädigung

Das liegt auch daran, dass sich die Franzosen bis heute nicht um die Dekontaminierung der betroffenen Gebiete gekümmert hätten, sagt ARD-Korrespondentin Dunja Sadaqi. Auch auf die oft geforderte Entschuldigung und vor allem Entschädigung für die Betroffenen und deren Nachkommen warten die Algerier bis heute.