Natalie Grams war überzeugte Homöopathin und wollte ein Buch über die alternative Heilmethode schreiben. Jetzt ist sie ernüchtert und klärt auf.

Nach ihrer Ausbildung als Ärztin hat Natalie Grams sich 2004 als Homöopathin ausbilden lassen. Sie verwirklichte ihren Traum von der eigenen homöopathischen Praxis und investierte viel in diese Zukunft. Ihre Praxis war erfolgreich. Aber immer wieder musste auch sie sich mit Kritikern und Zweiflern auseinandersetzen. Deshalb wollte sie ein Buch über Homöopathie schreiben und die Kritiker widerlegen.

"Ich habe angefangen immer mehr darüber nachzudenken und zu recherchieren, bis ich mich nach einem Jahr einmal durchgearbeitet hatte und jetzt auf der anderen Seite stehe."
Natalie Grams, Ex-Homöopathin

Das Buch ist unter dem Titel "Homöopathie neu gedacht" erschienen, aber es ist alles andere als ein pro-homöopathisches Werk geworden. Natalie Grams ist inzwischen Ex-Homöopathin. Für sie war es ein schwieriger bis schmerzlicher Erkenntnisweg. Ihre ganze Weltanschauung wurde infrage gestellt. Denn nach gründlichen Recherchen kommt sie heute zu dem Ergebnis: Das System hat viele Fehler und Widersprüche in sich. Kritische Fragen, die von außen an die Homöopathen herangetragen werden, lehnen sie ab, weil Außenstehende das System nicht verstehen könnten.

"Das kann ich aus meiner eigenen Erfahrung sagen: Es ist nicht so, dass man Patienten wissentlich betrügen möchte, sondern man glaubt, dass das, was Hahnemann vor 200 Jahren gesagt hat, stimmt."
Natalie Grams, Ex-Homöopathin

Solange die Patienten an Bagatelleerkankungen leiden, die früher oder später ohnehin wieder verschwinden, sei es nicht bedenklich, wenn sie mit homöopathischen Mitteln behandelt werden, sagt Natalie Grams. Wenn es sich aber um eine ernstzunehmende Erkrankung handelt, die ohne "echte" Medizin nicht heilbar ist, kann das gefährlich für den Erkrankten werden, warnt die Ex-Homöopathin.

Placeboeffekt

Einer der Widersprüche in der Homöopathie sei beispielsweise die Potenzierung, die gleichbedeutend sei mit Informationen oder eine Art Energie, die bei der Herstellung der homöopathischen Mitteln entstünden. Heute wisse man, dass dem nicht so sei. Wissenschaftlich könne nachgewiesen werden, dass in den Globuli nichts anderes als Zucker enthalten sei. Die Wirkung, die viele Patienten nach der Einnahme von homöopathischen Mitteln empfinden, lasse sich durch Wahrnehmungsfehler und psychologische Effekte erklären. Verstärkt würde der Effekt einer "echten" Medizin dadurch, dass sie in Apotheken angeboten wird und teilweise die Krankenkassen die Kosten übernehmen.

Homöopathie ist keine Arznei

Natalie Grams Ziel ist nicht, dass die Homöopathie verboten wird, sondern sie will die Menschen über deren Wirkung aufgeklären. Sie glaubt, dass die Homöopathie in der Medizin falsch positioniert sei, weil es eine reine Glaubenslehre sei, die sich aus traditionellen Gründen erhalten hat: "Homöopathie gehört nicht in die Medizin, nicht in die Apotheke und sie sollte nicht als Arzneimittel mit einer spezifischen Wirkung betrachtet werden."