Seit der Corona-Pandemie sind viele Hotels und Restaurants dicht oder arbeiten nur eingeschränkt. Für viele Auszubildende bedeutet das: Sie wurden entlassen oder sind in Kurzarbeit. Die Stadt Berlin möchte sie mit Ausbildungshotels auffangen.

Das Tierpark-Hotel im Osten von Berlin ist für dreißig Auszubildende gerade eine willkommene Rettung. Sie machen eine Ausbildung zur Köchin oder zum Hotelfachmann und haben ihren Ausbildungsplatz wegen der Corona-Pandemie verloren.

In dem zehnstöckigen Bau sollen sie ihre Ausbildung wieder fortsetzen. Es ist eins von zwei Ausbildungshotels, die der Berliner Senat zusammen mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten und dem Branchenverband Dehoga im November 2020 ins Leben gerufen hat.

Kochen und kellnern trotz Pandemie

Das Tierpark-Hotel ist auch während der Pandemie geöffnet. Mit einer Ausnahmegenehmigung kommen Firmen für Fortbildungen oder Geschäftsreisende dort gerade unter. Von den 525 Betten des Hotels sind aktuell zwischen 30 und 50 mit Gästen belegt.

Um die kümmern sich die dreißig Azubis. Sie sind in der Küche, im Service oder an der Rezeption unterwegs und lernen dort, was der Ausbildunsgplan für sie vorsieht. Wenn mal keine Gäste da sind, kochen die Azubis zum Beispiel für das Personal – also sich selbst.

Eine Perspektive in der Pandemie

Frank Schmidt ist einer von ihnen. Der 19-Jährige macht eine Ausbildung zum Koch und wurde von seinem früheren Ausbildungsbetrieb während der Probezeit gekündigt. Ihm gefällt das Arbeiten in dem Ausbildungshotel, sagt er: "Ich war vorher in einem anderen Betrieb. Hier lerne ich viel mehr und bekomme alles genauer beschrieben."

"Ich war vorher in einem anderen Betrieb. Hier ist es jetzt so, dass ich wirklich viel mehr lerne und alles genauer beschrieben bekomme."
Frank Schmidt, 19, kann seine Ausbildung im Ausbildungshotel weiter machen

Zum einen sei es in der Küche wegen der wenigen Gäste stressfreier, zum anderen könne er deswegen mehr Ideen einbringen und sich beim Kochen ausprobieren, sagt Frank.

Auch Karen Friedel, die Geschäftsführerin des Hotels, hat den Eindruck, dass die Azubis gerade mehr lernen. Die Ausbildung sei intensiver, weil sich die Ausbilderinnen und Ausbilder mehr Zeit für sie nehmen und auf sie eingehen könnten.

"Aus meiner Sicht ist dieser Ausbildungsteil, den wir hier vor Ort absolvieren, für die Auszubildenden viel intensiver als das sonst der Fall war."
Karen Friedel, Geschäftsführerin Tierpark-Hotel Berlin

Für viele andere Azubis, die nicht in einem der Ausbildungshotels unterkommen, beschreibt Gewerkschaftssekretär Jan Krüger von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten die aktuelle Lage als dramatisch. Manche von ihnen seien zum Beispiel in Kurzarbeit, obwohl das für Auszubildende nicht vorgesehen sei. Sie könnten sich deswegen nicht auf ihre Prüfungen vorbereiten.

Viele weitere haben im vergangenen Jahr noch nicht einmal einen Ausbildungsplatz bekommen. Laut Jan Krüger seien 2020 elf Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden als im Jahr davor.

Ausbildungshotels in anderen Städten

Um die Azubis zu fördern, unterstützt der Berliner Senat das Projekt mit 2,7 Millionen Euro. In Zukunft sollen insgesamt hundert Azubis einen Platz in einem der den Ausbildungshotels bekommen. In Hamburg und Bremen wird über ein ähnliches Projekt nachgedacht.