Die Proteste in Hongkong halten an. Die Menschen wehren sich gegen ein umstrittenes Auslieferungsgesetz. Gestern (1. Juli) gingen Hunderttausende auf die Straße. Einige Hundert stürmten das Parlament und besetzten es für mehrere Stunden bis die Polizei einschritt. Die Demonstranten seien verzweifelt, sagt Markus Pfalzgraf, ARD-Korrespondent.

Am Montag, 1. Juli, versammelten sich in Hongkong im Laufe des Tages immer mehr Protestierende um das Parlamentsgebäude. Sie blockierten die Zugänge und besetzten die Straßen.

Seit Wochen protestieren Menschen in Hongkong – eine Sonderverwaltungszone Chinas – gegen ein geplantes Auslieferungsgesetz. Dies würde es ermöglichen, dass von China beschuldigte Personen an die Volksrepublik ausgeliefert würden. Kritiker warnen, dass Chinas Justiz nicht unabhängig sei. Ebenso drohten Folter und Misshandlungen.

Proteste richten sich gegen geplantes Auslieferungsgesetz

Am Montag eskalierten die Proteste rund um das Parlamentsgebäude. Die Demonstranten besorgten sich Eisenstangen, Rohre und auch einen Rammbock. Damit schlugen sie Fenster und Türen des Parlamentsgebäudes ein; die Außenfassade ging teilweise zu Bruch. Anschließend stürmten die Demonstranten das Gebäude und drangen bis in den Parlamentssaal vor.

Es schien fast, als ob die Demonstranten nicht genau wüssten, was sie dann machen sollten, als sie im Parlament waren, so Markus Pfalzgraf, unser Korrespondent in Hongkong. Die Polizei hatte sich lange zurück gehalten, doch schließlich griff sie ein und beendete die Eskalation.

"Die Situation ist eskaliert, weil die Verzweiflung einfach gestiegen ist."
Markus Pfalzgraf, ARD-Korrespondent in Hongkong

Dass die Situation eskaliert war, liege an der zunehmenden Verzweiflung der Demonstranten, so Markus Pfalzgraf. Sie fühlten sich nicht gehört von der Regierung. Die Demonstranten fürchten, dass Festland-China und die Kommunistische Partei immer mehr Zugriff auf ihr freies Hongkong erhalten.

In Hongkong demonstrieren Menschen gegen ein geplantes Auslieferungsgesetz. Eine Frau mit gelbem Regenmantel hält ein Foto, darauf  ist ein verletzter Mensch abgebildet.
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Seit Wochen protestieren die Menschen in Hongkong. Die Frau hält ein Foto hoch, das einen Demonstranten zeigt, der bei den Protesten verletzt wurde.

Nach der Eskalation trat die Regierungschefin Carrie Lam vor die Presse: Sie verurteilte die Gewalt der Protestierenden und sprach von Vandalen.

Die Regierungschefin soll zurücktreten

Carrie Lam hatte die Umsetzung des geplanten Auslieferungsgesetzes zwar ausgesetzt, aber nicht gestrichen. Doch genau das wollen die Demonstranten. Sie wollen, dass das Gesetz gestrichen wird. Und manche wollen mittlerweile noch mehr: Nämlich, dass die Regierungschefin zurücktritt.

Nach den Protesten herrschte in Hongkong zunächst Ruhe. Aber die nächsten Proteste werden sicherlich folgen. Auch die Opposition im Parlament hält an den Forderungen der Demonstranten fest.