19 verletzte Polizisten, demolierte Streifenwagen, geplünderte Läden: In der Nacht auf Sonntag hatten Hunderte Menschen in der Stuttgarter Innenstadt randaliert. Auslöser war eine Drogenkontrolle. Die Polizei spricht von Szenen, die es in Stuttgart noch nie gegeben hat. Jetzt wird in alle Richtungen ermittelt.

Mittlerweile ist kaum noch was zu sehen von den Randalen in Stuttgart in der Nacht von Samstag (20.06.2020) auf Sonntag. Mehrere hundert Menschen hatten dort randaliert, nachdem es zu einer Auseinandersetzung gekommen war bei einer Drogenkontrolle. 40 Geschäfte wurden beschädigt und zum Teil geplündert. Nach Angaben der Polizei sind 19 Beamte und Beamtinnen verletzt worden. Und während die Polizei noch ermittelt, fragen sich nicht nur in Stuttgart alle: Wie konnte es zu so einem Gewaltausbruch kommen?

"Von insgesamt 25 vorläufig festgenommen Personen wurden sieben dem Haftrichter vorgeführt."
Uschi Götz, Landeskorrespondentin

Endlich ist was los

"Endlich ist in Stuttgart was los!" – Mit dem Spruch skandierten die Täter in den sozialen Netzwerken, berichtet der Polizeivizepräsident Thomas Berger. Bis zu 500 Personen waren auf dem Höhepunkt der Ausschreitungen auf dem Schloßplatz in der Stuttgarter Innenstadt beteiligt. Davon wurden 24 Täter vorläufig festgenommen. Heute (22.06.2020) wurden dann sieben Beschuldigte dem Stuttgarter Haftrichter vorgeführt, sagt Landeskorrespondentin Uschi Götz im Update.

Der Vorwurf: schwerer Ladenfriedensbruch, Diebstahl und gefährliche Körperverletzung. Außerdem wird ein 16-jährigen Jugendlicher dem versuchten Totschlag beschuldigt. Zusammen mit anderen Beteiligten soll er einen Studenten brutal zusammengeschlagen haben, erzählt Uschi Götz. Der Student lag bereits am Boden, die Täter sollen ihm dann gezielt gegen den Kopf getreten haben.

"Ein 16-jähriger Beschuldigter soll maßgeblich an einer Schlägerei beteiligt gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Totschlag vor."
Uschi Götz, Landeskorrespondentin

Wer die Täter sind

Zu den Hintergründen der Ausschreitungen ist noch nicht viel bekannt, so Landeskorrespondentin. Es werde momentan in alle Richtungen ermittelt. Es gebe bislang keine Hinweise, dass die Gewalttäter politisch motiviert waren. Das hört sich vorsichtiger an als noch in den letzten Tagen, da wurde ein politisches Motiv ganz klar ausgeschlossen, sagt Uschi Götz. Die Polizei habe auch gesagt, in der Vergangenheit habe sie eine Gewaltspirale von Links erlebt und werde deshalb auch dort ermitteln.

"Man weiß nicht mehr, aber es werde in alle Richtungen ermittelt."
Uschi Götz, Landeskorrespondentin

Immer wieder werden die Täter der Stuttgarter "Party- und Eventszene" zugeordnet. Damit seien junge Menschen gemeint, die sich vor allem am Wochenende in der Stuttgarter Innenstadt zum Feiern treffen. Viele von ihnen kommen aus dem Umland. Die klare Zuordnung zur Partyszene stößt auf Kritik: Collin Heinze vom Kollektiv Stuttgart hat im Interview mit dem SWR gesagt, die Szene sei sehr heterogen. Es gebe nicht die eine Partyszene.

Die Stadt will jetzt zusammen mit der Polizei ein Konzept erarbeiten, wie Ausschreitungen künftig verhindert werden sollen.