In einer Brücke von Austin leben zwei Millionen Fledermäuse. Wenn sie losfliegen, ist der ganze Himmel voll von ihnen. Zunächst waren die Bewohner der Stadt genervt - aber inzwischen lieben sie ihre Fledermäuse. 

Die Bulldoggfledermaus scheint ein geselliges Tier zu sein. Jedenfalls lebt diese Fledermausart gerne in großen Kolonien zusammen. In einer etwas abgelegenen Höhle in Texas leben sogar 20 Millionen Mexikanische Bulldoggfledermäuse zusammen - die zwei Millionen in der Congress Avenue Bridge sind aber immerhin die größte städtische Kolonie der Welt. 

Austin vermarktet seine Fledermäuse gut

Zunächst waren die Bewohner von Austin ganz schön genervt von diesen Tieren, aber inzwischen lieben sie sie: Die Fledermäuse fressen nämlich viele Stechmücken. Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte Mario Ludwig sagt, die Fledermäuse sind Schädlingsbekämpfer par Excellence.

"Wissenschaftler haben ausgerechnet, dass die Fledermäuse von Austin bei ihren nächtlichen Ausflügen bis zu 15 Tonnen Insekten fressen."
Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte Mario Ludwig über die Bulldoggfledermaus

Aber die Menschen in Austin mögen die Fledermäuse inzwischen auch, weil sie so lukrativ sind. Weil so viele Touristen kommen, um sich anzuschauen, wie die Fledermäuse abends losfliegen, ist eine riesige Marketingabteilung entstanden: Es gibt also Fledermaus-T-Shirts, -Schlüsselanhänger, -Tassen und so weiter. Und nicht zuletzt profitieren Hotels und Gastronomie von dem Fledermaustourismus, der jedes Jahr geschätzte zehn Millionen US-Dollar einbringt. 

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In lauen Sommerabenden stehen etliche Menschen auf oder unter der Brücke, um die Tiere losfliegen zu sehen. Das dauert etwa eine halbe Stunde. Vielen ist wahrscheinlich gar nicht klar, dass sie dabei auch gleichzeitig die schnellsten Tiere der Welt beobachten. Die Bulldoggfledermaus schafft es nämlich auf 160 Stundenkilometer und hat damit den bisherigen Rekordhalter Gepard weit hinter sich gelassen - dieser ist nämlich gerade einmal 110 Stundenkilometer schnell.  

Brückenspalten als Höhlenersatz

Dass sich die Bulldoggfledermäuse in der Brücke so wohl fühlen, hat unter anderem mit Schlamperei beim Bau zu tun. Als die 300 Meter lange Brücke 1980 renoviert wurde, wurden an der Unterseite der Brücke zahlreiche rund 40 Zentimeter tiefe Dehnungsfugen nur teilweise und oft nicht ausreichend mit Dämmmaterial gefüllt. Diese Spalten sind für die Fledermäuse der perfekte Höhlenersatz, da sie dort auch die optimale Temperatur und Luftfeuchtigkeit vorfinden. 

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