Die Aborigines in Australien haben es endlich geschafft: Ihr heiliger Berg Uluru ist nun für Touristen gesperrt. Auch andere heilige Berge gelte es zu respektieren, meint Bergsteiger Götz Wiegand. Fairness geht für ihn vor Ego-Trip.

Seit dem 26. Oktober 2019 ist der Uluru (früher "Ayers Rock") für Touristen gesperrt. Fast 400.000 Menschen haben in den letzten 12 Monaten noch schnell den Berg bestiegen, bevor er jetzt abgesperrt wird. Attraktiv zum Besteigen sei der Uluru ja schon, sagt Bergsteiger Götz Wiegand. Deshalb sei er über die Sperrung auch ein bisschen zwiegespalten. Aber da der Berg den Aboriginies beziehungsweise den Anangu heilig ist, würde er das respektieren.

"Der Uluru ist ein sehr attraktiver, schöner Berg. Es ist sicherlich sehr schön, dort hoch zu klettern und die Aussicht zu genießen. Wenn er aber den Ureinwohner als heilig gilt, sollte man das akzeptieren."
Götz Wiegand, Bergsteiger

Es gibt außer dem Uluru einige heilige Berge, deren Besteigen inzwischen verboten oder zumindest nicht erwünscht sei, sagt Götz Wiegand. Aber es gebe daneben eine bedeutend größere Zahl an Bergen, die man erklettern kann.

Heilger Berg Kailash in Tibet
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Einer dieser Berge ist der Kailash in Tibet, der für mehrere Religionen eine besondere Bedeutung hat und für Bergsteiger schon lange tabu ist. Götz Wiegand hatte das Glück, den heiligen Berg viermal zu umrunden: "Das ist eine spirituelle Reise ins Ich", sagt er.

Für gut ausgerüstete Bergsteiger sei es kein Problem, den Berg innerhalb von drei bis vier Tagen zu umrunden. Tibeter, denen der Berg heilig ist, brauchen dafür zum Teil Wochen, auch weil manche die Entfernung mit der eigenen Körperlänge ausmessen und sich dazu immer wieder auf den Boden werfen.

"Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass ich auf den Kailash hochklettern muss. Das akzeptiert man einfach."
Götz Wiegand, Bergsteiger

Neben Uluru und Kailash gibt es noch andere heilige Berge, die nicht bestiegen werden dürfen. Eine "Beschmutzung" oder Entweihung der heiligen Stätte ist meist das Argument für eine Sperrung, wie etwa beim Gipfel des Jichu Drake im Himalaya.

Bergsteigen: Fairness und Respekt statt Ego-Trip

Manchmal liegt aber kein offizielles Verbot vor, wie zum Beispiel beim Kangchendzönga, sagt Götz Wiegand. Deshalb sei es eine besondere Leistung der Bergsteiger, die den Berg 1955 zum ersten Mal bestiegen, fünf Meter unterhalb des Gipfels umzudrehen und so die Gefühle der Bewohner zu respektieren.

"Was mich am Bergsteigen reizt: Eine faire Auseinandersetzung mit der Natur, die ich aber nicht allein bestehen kann, sondern nur zusammen mit meinen besten Freunden. Das ist das Schöne am Bergsteigen."
Götz Wiegand, Bergsteiger

Götz Wiegand meint, dass es vielen Bergsteigern bei ihren Touren vor allem um einen Ego-Trip gehe. Beispiel Mount Everest: Auch wenn viele gar nicht das Können hätten, dort hochzukommen, gäbe es Anbieter, die dabei helfen. Für ihn selbst bedeute Bergsteigen aber eine faire Auseinandersetzung mit der Natur, die er gemeinsam mit seinen besten Freuden meistert.

"Man kann keinen Berg bezwingen, bezwingen kann man sich nur selber. Wenn man sich gut vorbereitet und trainiert hat, hat man die Chance, den Berg zu besteigen. Aber man wird ihn nicht bezwingen."
Götz Wiegand, Bergsteiger