Die Wald- und Buschbrände in Australien haben zwölf Millionen Hektar Fläche zerstört. Australien ist Brände gewöhnt, normalerweise erholt sich die Natur recht schnell wieder. Nach den jüngsten Megabränden wird die Aufforstung aber besonders schwer – Experten sind zumindest momentan ratlos.

Wald- und Buschbrände sind in Australien nichts außergewöhnliches. In diesem Jahr – beziehungsweise im letzten Jahr – haben die Feuer aber besonders heftig gewütet. Insgesamt sind zwölf Millionen Hektar Fläche abgebrannt. Laut Sebastian Pfautsch, Experte für Wiederaufforstung an der Western Sydney University in Australien, werden sich die Wälder zwar wieder erholen. Diesmal ist aber die Frage, wann?

Normalerweise sprießen nach kurzer Zeit wieder Sprossen

Normalerweise wachsen nach ein paar Wochen aus den abgebrannten Bäumen recht schnell wieder erste Blätter. Das sehe dann ein bisschen komisch aus, so Sebastian Pfautsch, weil die Blätter direkt aus dem Stamm herauswachsen, ohne Äste. Das ist aber wichtig für die Photosynthese und dauert auch nur so lange, bis sich das Kronendach gebildet hat, so der Wiederaufforstungsexperte.

"Wenn es nach dem Brand geregnet hat, kommen die ersten Sprossen aus den Stämmen. Dann wachsen die Blätter aus dem Stamm raus."
Sebastian Pfautsch, Experte für Wiederaufforstung an der Western Sydney University

Damit schnell wieder erste Sprossen aus den Bäumen wachsen, muss es aber vorher geregnet haben. Australien hat das Problem, dass es seit 2017 so trocken ist, wie noch nie. "Die Trockenheit reicht bis tief in den Boden hinein", so Sebastian Pfautsch.

"Das waren Wetterbedingungen, wie es sie sonst nur in der Wüste gibt."
Sebastian Pfautsch, Experte für Wiederaufforstung an der Western Sydney University

Ein zweites Problem kommt hinzu: 2013 gab es in Australien zuletzt sehr schlimme Wald- und Buschbrände. Danach ist zwar vieles wieder nachgewachsen wie die Bäume, die jetzt zerstört worden sind. Diese haben aber keine Möglichkeit gehabt, Samen zu bilden. Das heißt, es fehlen die Samenkapseln für die nächste Generation – es ist also schlicht nichts da, was nachwachsen kann, so Sebastian Pfautsch.

"Wenn der nachwachsende Wald direkt wieder abbrennt, ist nicht das Reifestadium erreicht, um neue Samenkapseln für die nächste Generation zu produzieren."
Sebastian Pfautsch, Experte für Wiederaufforstung an der Western Sydney University

Nach vielen Feuern kurz hintereinander ist also kein Samen mehr im Boden, der nachwachsen kann. Deshalb ist Aufforstungsexperte Sebastian Pfautsch auch ratlos, wie die Wälder wieder zurück kommen sollen, denn in Australien werde nicht neu gepflanzt, sagt er.

Zu viele Brände in zu kurzer Zeit

Normalerweise werden in Australien Samen gesammelt, indem man die Bäume hochklettert und sie erntet. In der Regel kommen zehn Tonnen Samen pro Jahr zusammen. Diese Samen können dann per Hubschrauber über die abgebrannten Gebieten gestreut werden.

Kaum Samen zum ausstreuen

In dieser Saison ist aber so viel abgebrannt, dass, wenn überhaupt, nur ein Zehntel – also eine Tonne – an Samen zusammenkommt. Und das reiche nicht, um die abgebrannten Wälder wieder neu wachsen zu lassen, so der Wiederaufforstungsexperte.

"Die Masse, die man bräuchte, würde für die Flächen, die abgebrannt sind, nicht ausreichen."
Sebastian Pfautsch, Experte für Wiederaufforstung an der Western Sydney University

Die betroffenen Gebiete, in denen noch junge Bäume nach kurzer Zeit erneut abgebrannt sind, werden sich nach Einschätzung von Sebastian Pfautsch nicht von allein erholen können. Und er rechnet auch mit langfristigen Folgen, die nicht so naheliegend sind. Das betrifft etwa die Holzwirtschaft. In New South Wals sind ein Viertel des Eukalyptus und ein Drittel des Bauholzes verbrannt. Der Bedarf an Bauholz bleibt aber gleich.

Auswirkungen der australischen Brände werden auch im Ausland spürbar sein

Sebastian Pfautsch schätzt, dass es in Australien für zwei bis drei Jahre kein Holz geben wird. Zwar werde der Bedarf vermutlich aus Südostasien gedeckt, dort werde aber weniger ökologisch gearbeitet. Das betrifft dann Regenwälder und auch Regionen, in denen Orang Utans leben.

Pfautsch spicht von einem Ripple Effekt, der mit einem kleinen Steinwurf beginnt und sich dann wellenartig entwickelt und dabei immer größer wird. Die Folgen der australischen Brände, so seine Einschätzung, werden auch in anderen Ländern erkennbar sein – in großem Ausmaß und erst viel später.