Teilweise bleiben die Ausstellungsflächen der Frankfurter Messehallen bei der diesjährigen Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) leer. 19 der 34 marktrelevanten Automobilmarken stellen ihre neusten Modelle nicht vor. Die Debatte um den Klimaschutz und um die SUVs hat die Automesse voll erwischt, meint Deutschlandfunk-Nova-Reporter Martin Schütz.

Viele der Autokonzerne setzen bei der IAA daher auf E-Mobilität. Deutsche Autobauer wie Opel, VW und BMW beispielsweise präsentieren ihre neuen E-Autos. Das sei eine Reaktion der Autoindustrie auf die Kritik hinsichtlich der Produktion von SUV-Modellen, sagt Martin Schütz. Damit würden sie zeigen, dass sie sich mit der Diskussion um den CO2-Ausstoß auseinandersetzen.

"SUVs werden oft von einzelnen Personen bewegt: Da sind dann viele Kilos unterwegs, obwohl es nicht nötig ist."
Martin Schütz, Deutschlandfunk Nova

Der hohe CO2-Ausstoß ist ein Hauptkritikpunkt an den SUV-Modellen: Pro gefahrenem Kilometer stößt ein SUV 198 Gramm CO2 aus. Mehr als doppelt so viel wie ein Kleinstwagen mit 90 Gramm pro Kilometer. Das hat die Deutsche Energie-Agentur berechnet. Ein Grund für die hohe Menge an CO2-Ausstoß ist der verhältnismäßig starke Motor. Bis zu 530 PS hat zum Beispiel der Motor des X7-Modells von BMW.

Zudem sind manche der SUVs unter anderem aufgrund ihres Allradantriebs vergleichsweise deutlich schwerer als andere große Autotypen. Durch jedes zusätzliche Kilo steigt der Verbrauch und dadurch der CO2-Ausstoß. "Das ist wie bei uns beim Joggen: Wenn wir extra Pfunde dabei haben, brauchen wir mehr Energie. Und bei Autos heißt mehr Verbrauch auch mehr CO2", erklärt Martin Schütz.

Autobranche schlägt Preis für CO2 vor

Der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, Ola Källenius, fordert deshalb einen höheren Preis für CO2. Damit würde er die Aufgabe hinsichtlich der CO2-Problematik wieder an die Kunden weitergeben, weil dieser Vorstoß mehr auf das Portemonnaie der Kunden abziele, meint Martin Schütz. Firmen könnten sich so von der Zuständigkeit entziehen, mehr Autos zu entwickeln, die weniger Kohlenstoffdioxid verbreiten.

Autobranche präsentiert E-Autos, verkauft aber immer mehr SUVs

Den hohen Verkauf der SUVs prangern auch Umweltorganisationen an. Mit ihren Werbeanzeigen pushen Autokonzerne gezielt SUVs und würden dadurch die Nachfrage dieser befeuern, sagt Greenpeace-Aktivist Benjamin Stephan. Verkaufszahlen belegen das Argument, sagt Martin Schütz: Gut ein Drittel der verkauften Neuwagen seien eben SUVs.

"Sie drücken diese Fahrzeuge mit Gewalt auf den Markt, weil sie dort höhere Profitmargen haben. Das ist in Zeiten der Klimakrise unverantwortlich. "
Benjamin Stephan, Greenpeace-Aktivist

Aus Sicht von Umweltaktivisten sind die vielen E-Autos auf der IAA ein Alibi-Versuch: In Wirklichkeit würden die Autobauer weiter vor allem SUVs verkaufen wollen. Zudem gibt es mehr Auflagen von der EU: Ab 2021 gelten in der EU zum Beispiel strengere Abgasgrenzwerte. Halten die Autokonzerne diese nicht ein, droht ihnen die EU mit hohen Strafen.