Avast ist ein kostenloses Antivirenprogramm. Nun wird berichtet, dass der Softwarehersteller über eine Tochterfirma offenbar Kundendaten weitergibt und so zu Geld macht. Durch das Akzeptieren der Nutzungsbedingungen haben die Avast-User dem Übermitteln ihres Online-Verhaltens zugestimmt.

Antivirenprogramme sollen das Surfen im Internet sicherer machen und unsere Daten auf den Endgeräten schützen – eigentlich. Der Anti-Viren-Software-Hersteller Avast soll durch sein Tochterunternehmen Jumpshot Daten seiner Nutzerinnen und Nutzer weitergegeben haben, berichten Motherboard by Vice und PCMag.

Google, Microsoft, McKinsey und Yelp kaufen Avast-Kundendaten

Käufer der Daten, die aus dem kostenlosen Antivirusprogramm stammen, sind demnach unter anderem Tech-Konzerne wie Google und Microsoft, die Unternehmensberatung McKinsey oder auch das Bewertungsportal Yelp.

Dass Daten weitergegeben werden, bestreitet das Unternehmen offenbar nicht. Aber: Unter den Daten seien keine persönlichen Informationen wie Namen, E-Mailadressen oder Kontaktdetails, so eine Sprecherin von Avast gegenüber der amerikanischen Medienwebsite cnet.com.

Jeden Schritt tracken

Stattdessen soll es sich um Daten wie Suchanfragen über die Suchmaschine oder die Navigationsanwendung von Google und Aktivitäten auf Seiten wie Linkedin oder Youtube handeln. Jumpshot selbst wirbt mit dem Slogan "Examine every search, click, and buy. On every site" auf seiner Homepage.

"Jumpshot wirbt demnach gegenüber Kunden damit, jede Suche, jeden Klick, jeden Kauf auf jeder Website zu registrieren."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Durch das Akzeptieren der Nutzungsbedingungen von Avast haben User dem Übermitteln der Daten an Dritte zugestimmt – wie eben auch seiner Tochterfirma. Laut eigenen Angaben benutzen über 435 Millionen Menschen das Antivirenprogramm.

Ein möglicher Grund für die weite Verbreitung: Es ist kostenlos. Und offenbar scheint auch Avast, ähnlich wie viele andere Unternehmen, Wege zu beschreiten, Geld mit dem Weiterverkauf von Daten zu machen.

"Bei kostenlosen Programmen sollte man immer auf der Hut sein. Denn wenn etwas kostenlos ist, verdienen die Firmen oft ihr Geld mit Daten."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Avast ist, so unsere Netz-Reporterin Martina Schulte, in dieser Hinsicht auch kein ungeschriebenes Blatt: In der Vergangenheit sollen Softwarehersteller wie Opera und Mozilla einige Tools des Antivirusprogramms in ihren Browsern eingeschränkt beziehungsweise als Add-on vorübergehend entfernt haben, schreibt futurezone.de. Der Verdacht: Spyware. Bei Mozilla Firefox sind die Add-ons allerdings wieder verfügbar, ebenso die Erweiterung für den Google-Browser Chrome.

Kostenlos heißt meistens: Verkauf von Kundendaten

Nutzerinnen und Nutzer von Avast könnten der Weitergabe von Daten an Drittunternehmer in den Nutzungsbedingungen widerrufen, erklärt Martina. Aber wem seine Privatsphäre wichtig ist, der solle Avast wohl besser deinstallieren. Als mögliche Alternativen für Windows-Nutzer nennt sie als Beispiele die kostenpflichtigen Virenscanner Avira Antivirus Pro, Symantec Norton 360 Standard oder Bitdefender Internet Security.